Das Leben von Vorbands
Für aufstrebende Bands (und Einzelkünstler) ist oft eins der großen Ziele, einmal mit einem anderen berühmten Künstler zusammen zu spielen. Als Vor- bzw. Supportband. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Ohne selbst bekannt zu sein spielt man vor einem großen Publikum.
- Wenn die Stile zusammenpassen, kann man sich auf diese Art seine eigenen Fans erspielen.
- Wenn man Glück hat, lernt man die anderen großen Künstler kennen.
- Man ist auf Tour, was für einen Newcomer ohnehin immer Spaß macht.
- Supportgigs sind gut fürs spätere Name Dropping.
Bekannte Bands bekommen unglaublich viele Anfragen von unbekannteren Bands, sei es über Beziehungen, über MySpace oder einfach so direkt: “Wir würden gerne mit Euch auf Tour gehen.” Man stellt sich vor, dass man dann einfach mit einem Kleinbus mitreist und jede Nacht für eine halbe Stunde vor einem 5.000er Publikum spielen darf.
Leider ist das aber nur die halbe Wahrheit. Bekannte Künstler wissen um die Vorteile. Und die Gewinnmargen einer Tour sind nur klein. Das Management des bekannten Künstlers wird die Vorband also zahlen lassen, damit sie überhaupt im Vorprogramm spielen dürfen. 300 EUR pro Konzert sind nicht unüblich. Oftmals ist darin aber noch nichts enthalten. Die Techniker (Monitor/FOH/Licht) wurden nur für den Hauptact bezahlt, sie werden also einen Aufschlag dafür verlangen, dass sie nun eine zweite Band mischen müssen. In vielen Fällen muss sich die Vorband sogar ins Catering einkaufen, damit sie auch mitessen können. (Das ist normalerweile Quatsch, weil die Köche oftmals ohnehin viel zu viel kochen und eine kleine Vorband nicht wirklich für Zusatzkosten oder -aufwand sorgen.) Will man auf den Konzerten sein eigenes Merchandise bzw. CDs verkaufen, kostet das häufig noch Standmiete.
Sind diese Kosten gedeckt, muss die Vorband natürlich noch ihre eigenen Kosten tragen: Busmiete, Benzin, Hotelkosten. Als Vorband auf Tour zu gehen kann richtig teuer werden. 30.000 – 40.000 EUR für eine kleinere Tour sind nicht unüblich. Wer keine Plattenfirma hat, die diese Kosten trägt, wird kaum in den Genuss kommen.
Major Labels tragen oft diese Kosten. (Wie lange das noch so sein wird, weiß ich nicht.) Denn es herrscht der Glaube, dass viele Künstler als Support den Durchbruch geschafft haben. Fast jede Band, die mit U2 auf Tour war, ist selbst groß geworden. Ob das etwas mit der Tour zu hat oder ob U2 einfach gute Acts aussucht, bleibt unbeantwortet. Letztendlich muss man es doch mal so sehen: Die Zuschauer kommen, um den Hauptact zu sehen, nicht die Vorband. Viele kommen sogar absichtlich später, um sich nicht die Vorband anschauen zu müssen. In den seltensten Fällen kann die Vorband beim Publikum punkten. Es gibt zwei Möglichkeiten: Der Musikstil der Vorband ist ähnlich. Dann ist die Stimmung oft gut, aber man steht immer im Schatten der Hauptband. Oder die Musikrichtung ist anders. Dann wird es viele im Publikum geben, die gelangweilt oder genervt sind. Im Idealfall ist die Musikrichtung nur minimal anders und die Band ist besser als der Hauptact (d.h. oftmals bessere Interaktion mit dem Publikum). Das kommt aber nur selten vor.
Ob sich im Nachhinein die Möglichkeit des Name Droppings auszahlt, ist fraglich. Bands wie etwa Silbermond haben es sich zum Ziel gemacht, jungen Aufsteigern eine Chance zu geben, vor einem großen Publikum zu spielen. Zum offiziellen Support der Tour kommt oft noch ein lokaler Act dazu, der dafür auch nichts bezahlen muss. Hin und wieder spielen drei (!) Bands, bevor Silbermond die Bühne betritt. Das Publikum ist oftmals genervt. Und so kommt es, dass fast jede Band in Deutschland schon irgendwann einmal mit Silbermond, Juli, Revolverheld usw. gespielt hat. Das nenne ich Support-Inflation.
Wie kommt man dazu, eine bekannte Band offiziell auf Tour zu supporten? In den meisten Fällen geht das über Kontakte. Irgendjemand kennt irgendjemanden aus dem Umfeld des Hauptkünstlers. Im Schnitt hat jedoch der Künstler selbst das letzte Wort. Und wenn er das Gefühl hat, dass ihn die Vorband an die Wand spielen könnte, kommt ein klares “Nein”.
Einen wichtigen Tipp würde ich jeder Vorband geben: Wenn es irgendwie möglich ist (organisatorisch und budgettechnisch), sollte man seinen eigenen Mischer (FOH) mitbringen. Es gibt so gut wie immer die Vorgabe, die Vorband schlechter oder leiser zu mischen als die Hauptband. Hat man einen eigenen Mischer, kann man hier zumindest versuchen, das Beste rauszuholen. Ansonsten ist man gnadenlos dem einem zugeteilten Mischer ausgeliefert. Und wenn der Sound nicht stimmt, geht das Publikum nicht mit. Da kann man sich auf der Bühne noch so abmühen.
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