Lügen
In der Musikbranche wird gelogen, was das Zeug hält. Denn der Wahrheit lässt sich nicht immer gut vermarkten. Die Jungs in der Boygroup, die keine Freundin haben, weil sie zu viel unterwegs sind? Quatsch. Die Tour, die plötzlich wegen einer Stimmbandoperation ausfiel? Na sicher. War ja kein anderer Termin möglich. Ist das Mädel wirklich erst 16 Jahre alt? Wahrscheinlich eher nicht.
Prinzipiell finde ich das nicht schlimm. Bis zu einem gewissen Grad will das Publikum ja auch belogen werden. Was ich dramatischer finde, ist die Tatsache, dass sich die Leute untereinander belügen. Selten die Musiker untereinander, dafür umso mehr die Geschäftsleute untereinander und wohl am häufigsten die Geschäftsleute gegenüber den Musikern. Wahrscheinlich gibt es eine unausgesprochene Regel, die besagt, dass man Musikern gegenüber nicht ehrlich sein sollte. Weil sie das nicht vertragen oder so? Im Gegenteil. Ich habe leider so viele Musiker getroffen, die in mittlere Depressionen gefallen sind, weil sie die ganze Zeit belogen wurden.
Schwer zu sagen, was die Motivation dieser Leute ist zu lügen. Oftmals hat man das Gefühl, sie sehen das gar nicht so. Aus ihrer eigenen Sicht drücken sie etwas nur vorsichtig aus. Und da es jeder tut, ist es akzeptabel. An der aktuellen Krise der Branche ist auch zu sehen, dass man sich selbst belügt. Die harte Wahrheit – CDs werden nicht mehr gekauft, Musik wird umsonst aus dem Netz geladen – wollte man nicht wahrhaben. Die Musikbranche lebt von ihren Lügen und stirbt mit ihnen.
Hier ein paar gängige Lügen:
- Wir machen einen fairen Vertrag mit Euch.
- Das steht zwar so im Vertrag, wir würden aber nie darauf bestehen.
- So jemanden wie Euch muss man über mehrere Jahre langsam aufbauen. Wir werden langfristig mit Euch arbeiten.
- Was haben wir davon, wenn wir nicht mehr miteinander klar kommen? Wir hätten kein Problem, dann den Vertrag einfach aufzulösen.
- Ums Geld geht es mir weniger. Mich interessieren die Persönlichkeiten, die hinter der Musik stecken.
- Er ist gerade nicht am Platz.
- Er ruft dich zurück.
- Die fanden eure Musik super.
Und hier eine nette Liste zum Thema, die ich auf einer Wand in einem Backstageraum in Hessen vorfand:
- We’ll fix it in the mix.
- I didn’t know she was married.
- I didn’t know she was a man.
- It’s a late crowd.
- We’re just short of the break point.
- There’s a soccer match tonight.
- Tonight’s the last episode of “Magnum”.
- You guys are great.
- Sure you can use the bass rig, it’s like new.
- I don’t remember my room number.
- Sure I remember you!
- We can’t pay you but you’ll get lots of exposure.
- The check is good.
- The hotel is very close.
- Five minutes!
- I love you.
- She said she was 18.
- It’s just a cold sore.
- I know the way to the hotel.
Da gehst du ja recht hart mit den Musikern ins Gericht.
Aber ich denke das mit der Ehrlichkeitsverlust auf Kosten von Gewinnmaximierung ist nicht nur ein Problem im Musikbuissness. Das findest du heutzutage überall in unserer Ellenbogengesellschaft
Und die Motivation der Musiker bei nicht ganz wahren aussagen rührt daher, dass sie den Erwartungen der Zuhörer entrsprechen wollen. Denn Stars und Sternchen sind auch nur Menschen mit Fehlern und Macken. Nur sowas wird selten vom Publikum geduldet.
Allerdings darf man dabei natürlich nicht zu sehr pauschalisieren.
Lg Andi
guitarguy - 7.12.2009 um 17:44 |
Es gibt aber durchaus Menschen – nicht nur Musiker – die angelogen werden wollen. Hätte ich auch nicht für möglich gehalten…
Carsten Dobschat - 7.12.2009 um 19:43 |
Ich habe beobachtet, dass die Bereitschaft zu lügen ansteckend ist. Lügt in einer Firma der CEO, neigen die Angestellten auch dazu. Bei den Major Labels wird einem klar gemacht, dass es zum guten Ton gehört, sich jünger zu machen, die Freundin zu verleugnen oder bei Verkaufszahlen zu übertreiben. Dann macht man halt mit. Als unbedarfter Musiker fühlt man sich da oft unwohl, jedenfalls ging es mir so.
Mit dem “neuen Modell” des Musikers, der im Netz den direkten Kontakt zu seinen Fans pflegt, wird das meiner Meinung nach abnehmen. Ich bin sicher, dass die Blogger es nicht schätzen belogen zu werden. Und die Wahrheit kommt im Netz bekanntermaßen schneller ans Licht als früher.
derwahrheit - 7.12.2009 um 20:42 |
[...] Wie das Musikbusiness auf Lügen basiert [...]
That’s a Wrap! « Der Wahrheit in die Musikbusiness - 24.5.2010 um 10:56 |
Auch mir ist es so ergangen. Vor lauter lügen meines Managers und vor lauter lügen vieler möchtegern pimps hat sich meine liebevolle und nette Persönlichkeit zum Menschenhasser entwickelt und kann somit keinem Menschen mehr vertrauen. Immer und immer wieder werden sachen versprochen die nicht eingehalten werden, immer und immer wieder wird die langersehnte VÖ auf die lange wartebank geschoben. Obwohl ich als Producer alles in den startlöchern hatte und meine Künstlerin “ready for the stage” war, ging es plötzlich nicht weiter. Anstatt sich darauf zu freuen dass es jetzt endlich los geht, schiebst Du depressionen weil das Management pennt und nicht in die gänge kommt. Und wieder hört man lügen. Dies und das… Man man man, ich kann’s nicht mehr hören die ewigen lügen seitens des Managements im eigenen Team. Es bestätigt sich immer wieder dass man den Menschen nur vorm Kopf gucken kann. Als ich meine Sängerin produziert habe, wusste ich von anfang an und hatte ein vision dass es ein Bomben Dance Projekt sein wird und dass Die Live shows einfach vom publikum geliebt wird die diese musik mögen. Das Management hat es nicht gebacken gekriegt vernünftige gigs an land zu ziehen. Doch eines weiss ich. Die klicks und die kommentare der wahren fans im netzt, bestätigen mir dass ich mit meiner vision richtig lag. Wenn ich nochmal soviel kraft und liebe zu musik hätte wie damals, dann würde ich alles selbst machen und nicht mehr aus der hand geben. Vertraut niemandem, sag ich euch. Sichert euch ab bis ich was festes in der hand habt. Am besten ist es ihr macht alles selbst und könnt umso mehr stolz auf euch sein. Do it yourself.
Daniel - 6.1.2011 um 12:37 |