Plattenfirmen bzw. Labels

Platten bzw. CDs

Eine Plattenfirma bzw. ein Label veröffentlicht Musik von Künstlern. Das funktioniert im Allgemeinen so:

  1. Plattenfirma nimmt Künstler unter Vertrag.
  2. Künstler produziert ein Album.
  3. Plattenfirma promotet Album.
  4. Plattenfirma verkauft Album.

Noch bedeutet „Album“ vorwiegend „CD“, auch im Jahre 2009. Das geht in Zukunft natürlich immer mehr in Downloads über. Wobei dann das Album an Wert verliert und der einzelne Song, die Single, wieder an Wert gewinnt. Die Plattenfirma bezahlt unterm Strich normalerweise die Produktion des Albums sowie die Promotion. Ebenso bekommt der Künstler zumindest bei Major Labels pro Album einen Vorschuss. Pro verkaufter CD verdient der Künstler zum Beispiel 6% des Händlerabgabepreises (HAP), was ca. 9 EUR sind, also 54 Cent. Diese Einnahmen werden mit dem Vorschuss verrechnet. Hat der Künstler in diesem Beispiel einen Vorschuss von 10.000 EUR erhalten, so muss er schon über 18.519 CDs verkaufen, bevor er einen weiteren Cent sieht. In den heutigen Zeiten sind das viele CDs für einen Newcomer in Deutschland. Da die meisten Newcomer dieses Ziel mit dem ersten Album nicht erreichen, kommt es oftmals nicht zu einem zweiten Album. Er wird „gedroppt“. Gedroppte Künstler haben es im Allgemeinen schwer bei einer anderen Plattenfirma unterzukommen. (Wer investiert schon gerne in einen Flop?) Und so kommt es, dass man genau einen Schuss frei hat, der sitzen muss: Das erste Album. Preisfrage: Wie viel Alben hat Herbert Grönemeyer veröffentlicht, bevor er seinen ersten Hit hatte? Oder zum Beispiel Rosenstolz?

Major Labels sind die großen Plattenfirmen: Universal, SonyBMG, EMI, Warner. Independent Labels sind all die anderen, die keine Verbindung zu Major Labels haben. Major Labels gehören zu größeren Konzernen (z.B. Universal Music zu Vivendi) und haben meistens ein eigenes CD-Presswerk, einen eigenen Vertrieb und eine eigene Promotionabteilung. Um Kosten zu sparen, versucht man diese Angestellten möglichst zu beschäftigen. Wurde also eine neue Band unter Vertrag genommen, sitzt man in einem Besprechungsraum zusammen und verteilt die Aufgaben. Radiopromoter Heinz Müller bekommt also die Aufgabe, der Band „The Rockers“ zu Radio-Airplay zu verhelfen. Ob er die Musik gut findet oder nicht, spielt keine Rolle. Das ist sein Job und dafür bekommt er ein monatliches Gehalt. Ähnlich verhält sich das mit all den anderen Angestellten.

Die Musikbranche ist sehr schnelllebig und insbesondere in den letzten Jahren, die sehr stark von kommerziellen Flops gezeichnet sind, drehte sich das Personalkarussel in den Major Labels überdurchschnittlich schnell. Niemand blieb länger als zwei Jahre in einer Position. Oftmals sogar nur ein paar Monate. Es ist absolut üblich, dass die Ansprechpartner für die Band plötzlich weg sind und jemand Neues zuständig ist. Und derjenige hat wieder ganz andere Interessen und vor allem einen anderen Geschmack. Marketingpläne werden plötzlich ungültig, Veröffentlichungen werden auf unbegrenzt verschoben und überhaupt ist unklar, ob noch Interesse an der Band besteht.

Im größeren Bild ist aber auch fraglich, ob die Major Labels an sich noch in dieser Form bestehen werden. Die digitale Revolution wurde verpasst und der CD-Verkauf, von dem sie leben, geht permanent zurück gegen Null. Der Kunde ist nicht mehr bereit für Musikaufnahmen zu bezahlen. Da hilft auch verklagen wenig.

In Folge der schrumpfenden Einnahmen sind natürlich auch die Ausgaben stark gesunken. Der große Teil der Ausgaben ist das Marketing und die Promotion. Wenn hierfür kaum noch Geld ausgegeben wird, ist es kaum möglich einen Newcomer zu etablieren. Von daher ist die folgende Frage völlig sinnvoll: Bringt es überhaupt noch etwas, als Newcomer bei einem Major Label zu unterschreiben? Wahrscheinlich nicht.

Um dem Umsatzrückgang zu begegnen, versucht sich die Plattenfirma zum „Partner des Künstlers in allen Dingen“ umzudefinieren. Konkret heißt das, dass man nun auch Beteiligungen in anderen Bereichen (z.B. Konzertgagen und Merchandising) einfordert. Mittlerweile ist es schwierig, diese Klauseln aus den Verträgen herauszuverhandeln.

Und vor kurzem musste ich doch schmunzeln, wie das Major Label EMI versucht noch weitere Einnahmequellen zu erschließen:

http://www.emi.de/

Auf deren Website finden sich tatsächlich Google Ads! (Und zu allem Überfluss werden hier mitunter auch Anzeigen gezeigt, die EMI selbst geschaltet hat. Das Geld geht in diesen Fällen also komplett an Google. Ein kleines Beispiel für die Internet-Kompetenz der Labels.)

10 Gedanken zu “Plattenfirmen bzw. Labels

  1. Ein super Artikel! Sehr informativ und aufschlußreich. Vielen Dank dafür! Wie die von den großen Labels im Grunde verpasste Zukunft aussieht, finde ich auch sehr spannend. Die Varianten auf die Du verweist, die diese Labels eingeschlagen haben, erscheinen mir auch sehr kläglich. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt und freue mich auf weitere Artikel von Dir!

  2. Und Universal wird jetzt zum Modelabel… ich musste doch sehr schmunzeln, als heute die Meldung in mein Postfach flatterte:

    „Das weltweit führende Musikunternehmen UNIVERSAL MUSIC launcht seine erste eigene Fashion Kollektion ROCK & REBELLION im Rahmen der Modemesse BREAD & BUTTER in Berlin und unternimmt damit den Schritt in die Modebranche…“

    Andererseits… irgendwie müssen neue Einnahmen generiert werden.

    Dass Künstler ihre Einnahmen durch Merchandise (eben auch Kleidung aka Fashion) zum größten Teil an die Labels abgeben müssen ist bitter.

    Das Kernproblem ist doch dass die Musikkonsumenten immer noch glauben, sie bestehlen nur die reiche Musikindustrie wenn sie Mp3s illegal downloaden. Welchen Schaden sie anrichten und wen sie wirklich treffen, ist den meisten nicht bewußt.

    Dies liegt aber auch an der Geheimniskrämerei von Labels + Musikern was die wahren Verkaufszahlen betrifft. Hinzu kommt, dass es total uncool ist, sich gegen Musikpiraterie auszusprechen. Und welcher Pop- oder Rockstar(-Anwärter) will schon uncool sein.

    Dein Blog ist auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Bin gespannt, was noch kommt.

    Brigitte

    • wen treffen die downloader denn wirklich? die zahlen stehen hier ja. wenn heute jemand ein album von mir im laden oder auf itunes kauft, sehe ich nichts davon. nada. man könnte jetzt sagen, ich habe das geld ja schon als vorschuss ausgegeben. das stimmt, als investition in die band (z.b. merchandise anfertigen lassen) und zum leben in der zeit, in der mir täglich gesagt wurde, dass es nächste woche losgehe. ich fühle mich nicht bestohlen durch downloads. wäre ich bereits reich und berühmt, wahrscheinlich auch nicht, weil dann wäre das geld ja schon da. siehe dazu auch:


      (ab 1:22min, es ging damals darum, ob man drm abschaffen sollte oder nicht)

  3. Viele Bands bekommen jedoch keinen, oder keinen ausreichenden Vorschuss mehr. Dürfen dann auf eigene Kosten Produzieren, das Label zahlt nur die Vermarktung. Eben weil die Einnahmen aus anderen Vorgänger-Projekten der Labels fehlen.

    Früher gabs Cash Cows, die das Geld in die Kassen gespült haben und Budgets frei machten, für Nachwuchsförderung.

    Und auch du sagtest, dass eine Band, die mit dem ersten Album nicht profitabel sei, keinen Vorschuss für ein zweites bekommt. So gesehen, wird dir im übertragenen Sinne, der Vorschuss aufs zweite Album gestohlen…

  4. Auch mir ist es so ergangen. Habe zwar in den seltensten Fällen Vorschuss bekommen, aber hatte noch bis vor 5 Jahren annehmbare Einnahmen aus Tantiemen und Royalities. Inzwischen ist die Situation katastrophal. Vorschüsse oft nur noch 1000 bis 2000 Euro, decken nicht die Kosten, und wer weiss ob überhaupt noch mehr als 2000 CDs eines Titels verkauft werden.

  5. Tja, auch ich werde demnächst Musiktitel produzieren,
    doch mit wem und welchem Label ist noch nicht genau klar.
    Mal sehen wohin die Reise geht.

    • Glaubst du wirklich daran, dass es der Weg ist bei deiner „Reise“?

      Entweder bist du sehr grün hinter den Ohren oder du hast ein verdammt gutes Konzept wie du dich als Produkt sehr gut vermarktest. Fühl dich nicht angegriffen, die erste Aussage ist wahrscheinlicher.

  6. Finde Eure Kommentare auch sehr hilfreich…

    Ich glaube aber auch, dass Vitamin B eine SEHR grosse Rolle in dem Buissness spielt, wie fast überall….

    Vit. Ist das halbe Leben, heisst es….

    Ausserdem wundert es dann einen manchmal nicht, wenn irgendein grotticher Künstler gepuscht worden ist…

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