Grenzen ziehen

Flight caseAls Vollzeitmusiker fällt einem auf, dass es oftmals sehr schwer ist Grenzen zu ziehen. Wo fängt der Beruf an? Wo geht das Privatleben los? Gibt es ein Privatleben überhaupt noch? Der Manager und die Plattenfirma erwarten, dass man jederzeit auf Abruf ist. Die „Wetten dass…?“ Musikredaktion könnte jeden Moment anrufen. (Auch wenn sie das nie tut.) Darf man sich überhaupt Urlaub nehmen? Schwierig. Der Planungshorizont der Musikbranche erstreckt sich über die nächsten zwei Wochen. Mehr nicht. Aussagen über das kommende halbe Jahr sind so sicher wie das Wetter in zwei Wochen.

Und am besten wird man auch nie krank. Auskurieren ist nicht angesagt. Wer während Albumaufnahmen oder einer Tour krank wird, muss auf Pillen ausweichen.

All das mag für den einen oder anderen Musik ein mehr oder minder großes Problem sein. Ohne Ausnahme jedoch ist für sie die Tatsache ein Problem, dass es so gut wie unmöglich ist, bei den Menschen, mit denen man im Musikbusiness zu tun hat, die Grenze zwischen beruflich und privat, zwischen Kollege und Freund, zwischen monetärem und aufrichtigem Interesse zu ziehen. Plötzlich ist jeder dein Freund. Plötzlich wirst du zu Essen und Partys eingeladen. „Grüße deine Freundin von mir!“ „Na, wie läuft’s zu Hause?“ Interesse am Privatleben von Leuten, die man vor zwei Monaten noch nie gesehen hat und die einen in einem Monat nicht mehr zurückrufen.

Viele Musiker werden depressiv. Und damit meine ich nicht die Britneys und Amys, sondern die Musiker, die seit drei Jahren auf die Veröffentlichung ihres Albums warten, weil Sony und BMG fusionieren, um kurz danach wieder von Bertelsmann abgestoßen zu werden. Und währenddessen wird ihnen erzählt, „Wir kämpfen für dich! Wir sind dein Freund! Wir halten durch!“ Wenn dann der Vertrag aufgelöst wird, lösen sich plötzlich alle „Freunde“ auch in Luft auf. Und damit die übergroßen Träume, die den Musikern vermittelt wurden.

Strapazen.

Ein Gedanke zu “Grenzen ziehen

  1. Hört sich alles sehr bekannt an. Als Musikbloggerin bekommt man doch so einiges mit. SonyBmg scheint da besonders gut im Artists hinhalten, Release verschieben – von der einen Tochterfirma zur anderen und zurück – zu sein. Vor allem wissen die Mitarbeiter von Four Music, Columbia (Berlin) wohl selber nicht mehr genau, wer für was verantwortlich ist bzw wo hin sie und die von ihnen betreute Künstler gehören. Die Releasegeschichte von Wayne Jacksons „The Long Goodbye“ hat da ja alle Merkwürdigkeiten durchlaufen.

    Von den Gefühlen, die das beim Künstler auslöst, spricht sein Xing-Profil:

    Wants: World domination in 2 years.
    Haves: A long memory, martial arts skills, a new album.
    Interests: Revenge, martial arts, music, film.

    Professional experience
    2008 – present: Head Of Stationary

    Mehr Einblicke auch hier auf seinem Blog: http://www.myspace.com/waynejackson

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