Name Dropping

Name DroppingIn dieser Industrie, in der man arbeiten kann, ohne eine Ausbildung zu haben, ohne wirkliche Erfahrung zu haben und ja, ohne tatsächlich irgendetwas von Musik zu verstehen, dreht sich alles um Kontakte. Es scheint anerkannt, dass derjenige einem Künstler zu Erfolg verhelfen kann, der die meisten und besten Kontakte hat. Von daher verwundert es nicht, dass sich neben der Musik in diesem Geschäft eine weitere Kunstform entwickelt hat: Name Dropping.

Es ist unglaublich, wie hier mit Namen umhergeworfen wird. Manche Leute können halbstündige Monologe verfassen, in denen sie nichts anderes tun, als darzustellen, wen sie alles kennen und mit wem sie schon alles zusammengearbeitet haben. Und wen sie kennen, der wiederum mit jemand anderem zusammengearbeitet hat. Ja, und wen sie kennen, der wiederum jemanden kennt. Das Schlimme ist: Ihre Zuhörer hängen ihnen an den Lippen als seien sie der Dalai Lama persönlich.

Mittlerweile habe ich gelernt, dass die Anzahl der fallenden Namen reziprok zum Einfluss des Sprechers ist. Das heißt: Je mehr Namen fallen, desto unbedeutender ist die Person. Denn Name Dropping ist für die meisten Menschen eine Methode, für ihre Defizite zu kompensieren. Künstlern würde ich unbedingt raten, nicht viel auf Name Droppings zu geben und sie immer genau zu hinterfragen. Hier ein paar Beispiele, die ich bereits erlebt habe:

  • Name Dropping: „Der hat N-Sync produziert.“ Realität: Er durfte für eine Plattenfirma mal einen Remix für N-Sync machen. Mit den Jungs von N-Sync hat er nie direkt zu tun gehabt.
  • Name Dropping: „Ich kenne Tom Bohne gut.“ Realität: Hat irgendwann mal mit Tom Bohne telefoniert. Wird Tom Bohne etwas für ihn tun, wenn er ihn um einen Gefallen bittet? Sicherlich nicht. Tom Bohne hat anderes zu tun.
  • Name Dropping: „Das ist der Keyboarder von Crossangels.“ Realität: Wer sind „Crossangels“?
  • Name Dropping: „Ich bin Promi-Fotograf.“ Realität: Wird auf Konzerte geschickt, um Fotos für die Lokalzeitung zu machen.
  • Name Dropping: „Ich habe einen Song für Laith Al-Deen geschrieben.“ Realität: Das kann schon sein. Nur wurde dieser Song nie veröffentlicht oder live gespielt. Weiß Laith Al-Deen davon?
  • Name Dropping: „Ich habe Dr. Alban gemanagt.“ Realität: Hat T-Shirts für Dr. Alban verkauft.

Tipp: Von Name Droppern fernhalten!

11 Gedanken zu “Name Dropping

  1. Haha… ich stehe in persönlichem Kontakt mit „der Wahrheit in die Musikindustrie“. Realität: Ich hab hier schon Kommentare hinterlassen…du auch einen auf meinem Blog😉

    Mal im Ernst: Ich find’s auch toll, wenn uns irgendwelche Promoter anschreiben, aufzählen für welchen A-Stars sie schon Promotion gemacht haben… und dann betreuen die nur unbekannte Projekte, die noch nicht mal gut sind. Wahrheit?! Wahrscheinlich haben die mal als Praktikanten bei Universal/EMI/SonyBmg angefangen und CDs von Stars eingetütet…

  2. Uns hat noch kein Promoter angeschrieben. Sag mal, nur so nebenbei, hast du Connections zu Plattenfirmen? Kennst du ein paar wichtige Leute. Ich brauch noch ein paar Drops, damit ich was vorzeigen kann, wenn uns mal ein Z-Star Promoter nach einem Gig anspricht :-)))

  3. Bin gerade erst auf diese Seite gestossen – und kann alles nur unterschreiben. Hier ist aber noch eine vielleicht wichtige Information: Dieses „Hände weg von Namedroppern“ gilt für ALLES in der Branche. Noch schlimmer, als Musiker, die schon mit „dem und jenem alles Mögliche gemacht“ haben, sind TECHNIKER, die sofort tönen, was sie nicht alles wissen und können und schon erlebt haben. Da kann man in 99% der Fälle davon ausgehen, dass sie vor lauter Mundwerk keine Ohren mehr haben. Und angebliche Manager, die die Sterne für Dich holen können, haben keine Ahnung, was das Wort „Fleiss“ in diesem Job bedeutet. Nur bei Promotern KÖNNTE stimmen, was sie sagen – das lässt sich ja auch leicht überprüfen. Allein: WENN es stimmt, sind sie so teuer, dass sie für Dich nicht in Frage kommen.😉
    Mit einem Wort: Selber machen macht fett.

  4. „Ich arbeite seit Jahren mit der band Journey!“
    Realität: ich hatte 2004 mit einem Kellner in einem Restaurant in San Diego gesprochen, der aus aus Lemore, Ca. kommt, wo auch Journey Sänger Steve Perry herkommt. Der Kellner hat -laut eigenen Angaben Steve Perry mal die Hand geschüttlelt. 🙂

    Das ist wirklich passiert. Im Klartext: ich habe nichts mit Journey zu tun. Eure Seite gefällt mir sehr gut.

  5. Auch Musiker können Schaumschläger sein !

    Es gibt einen wenig bekannten Berliner Musiker, welcher so ein Flowerpower-Perwoll-Pop spielt. Gute Songs, aber leider 40-50 Jahre zu spät ! Der hat (oder hatte zumindest) auf seiner Homepage viele Fotos Arm in Arm mit anderen Künstlern.
    Merkwürdig: Auf der Homepage dieser anderen Künstler taucht dieses Foto mit unserem Berliner Superstar aber gar nicht auf. Müssten die anderen Künstler sich nicht geehrt fühlen, einen so grossartigen Musiker zu kennen und damit auf ihrer HP ein bissl prahlen?

    Nebenbei bemerkt hat dieser Herr noch eine Halbtagsstelle im öff. Dienst, soo erfolgreich wie er behauptet, scheint er also nicht zu sein ! Bei ein paar Konzerten in Berlin & Umland spielte er mit einem Castingshow Gewinner, welcher jetzt wohl gerade seine erste Dschungelprüfung durchlebt. Was kommt wohl als nächstes ?

    Autogrammstunden in Supermärkten ?

    Zurück zu den „guckt-mal-wen-ich-kenne“ Fotos. Meine Meinung: Alles nur pure Angeberei, jeder Fan, der eine CD oder irgendwelche Merchandise-Devotionalien kauft, darf sich (oftmals) mit dem Künstler fotografieren lassen !

    Was meint ihr – sollte man sich von Fotos beeindrucken lassen ?

  6. Die Wahrheit ist: Kreativwirtschaft ist ein Arschloch. Erfolg im Musikbusiness ist nicht planbar. 70% der Musiker, über die du liest, wenn du einen Musikexpress oder einen Rolling Stone durch blätterst, können NICHT davon leben. Und wenn doch, dann nur sehr schlecht. So gut wie alle machen irgendwas nebenbei oder krebsen rum. Reich werden damit vielleicht noch 15 deutsche Musiker pro Jahr und das war’s. Das wird sich auch nicht ändern. Da hilft auch kein Name Dropping.
    Als Musiker ernährt man sich von der Hand in den Mund und wer glaubt, er mache gute Musik, habe gute Marketing Ideen und das richtige Image und dann bestehe auch die Chance damit reich zu werden, der lebt eine Illusion. Für eine seh, sehr, sehr gute Band ist es eventuell realistisch sich letztendlich ein einigermaßen normales Einkommen zu erarbeiten – kein bequemes, aber man braucht keine Zuschüsse. Mehr ist leider nicht drin und das ist bedauerlicher Weise Fakt.

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