Die GEMA

Aufgrund aktueller Ereignisse rund um die GEMA ziehe ich diesen Artikel vor. Er war eigentlich für einen späteren Zeitpunkt geplant.

UrheberrechtJeder, der Musik komponiert und/oder Texte verfasst, ist ein Urheber. Und dank des Urheberrechts kann derjenige frei darüber verfügen, was mit seinem Werk geschieht. Ohne die Zustimmung des Urhebers darf niemand sein Werk veröffentlichen, vervielfältigen oder öffentlich aufführen (und viele andere Dinge auch nicht). Vor Zeiten des Internets und der CD-Rom war das ja auch nicht so einfach. Eine CD-Pressung war teuer, und einen eigenen Radiosender zu betreiben war kein leichtes Unterfangen. Das Urheberrecht ließ sich unkompliziert in Geld umwandeln. Mit Hilfe der GEMA.

GEMA steht für „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“. Jedes Mal, wenn eine CD gepresst wird, führt das Presswerk Geld an die GEMA ab, damit es die CD mit den gewünschten Lieder bestücken kann. Jedes Mal, wenn ein Veranstalter ein Konzert veranstaltet, zahlt er an die GEMA für die aufgeführte Musik. Jedes Mal, wenn im Radio ein Lied läuft, geht Geld and die GEMA. Sogar Bars, die im Hintergrund Musik laufen lassen, zahlen monatliche Beiträge an die GEMA. Und die GEMA verteilt dieses Geld dann an die Urheber, also die Künstler – natürlich erst nach Einbhalt eines Eigenanteils.

Für einen erfolgreichen Künstler, der seine Stücke selbst schreibt, ist das ein Segen. Pro gepresstem Album schüttet die GEMA ca. einen Euro aus. Selbst wenn ein Verlag beteiligt ist, beläuft sich das für den Künstler sogar im schlechtesten Fall noch auf 60 Cent pro Album. Die GEMA ist in der Auswertung unheimlich langsam, so dass man häufig überrascht wird, wenn das Geld kommt. Schließlich musste man hierfür ja nicht extra arbeiten. Musik hätte man so oder so geschrieben. Wenn ein Künstler damit rechnen kann, dass seine Plattenfirma sein Album veröffentlicht, sollte unbedingt Mitglied bei der GEMA werden.

In der heutigen Zeit macht das aber nur noch für wenige Künstler Sinn. Voraussetzung ist, dass man alle Stücke, die man geschrieben hat, bei der GEMA anmeldet. Viele neue Dienste, die potentiell Geld einbringen wie zum Beispiel Lizensierungsdienste wie iStockAudio, setzen GEMA-freie Musik voraus. Manch Konzertveranstalter bucht nur Bands, deren Stücke nicht bei der GEMA angemeldet sind, um sich die horrenden Gebühren zu sparen, die nun sogar im Begriff sind zu steigen. Will ein Künstler seine Musik auf seine Website stellen, ist das eine Veröffentlichung. Der Künstler muss an die GEMA zahlen. Welcher Künstler möchte das? Und wer eben nicht so erfolgreich ist, der zahlt letztendlich nur Mitgliedsbeiträge.

In den letzten Jahren haben die Zeitschriften der GEMA immer mehr einen unangenehmen Beigeschmack bekommen. Lobbyismus und Klagen gegen Konsumenten werden gefeiert. Man möchte die technologische Entwicklung am liebsten rückgängig machen. „Alles für den Urheber.“ Ich persönlich kenne keinen Künstler, der es begrüßt, wenn seine Fans verklagt werden. Klar ist, dass die GEMA um ihre eigenen Umsätze bangt. Die Ansichten der Künstler sind zweitrangig.

Musiker, die sich in Nischen bewegen, kommen sehr gut ohne die GEMA aus. Für diejenigen, die ihr Urheberrecht selbst kontrollieren, steht die Welt offen. Und mit dem Internet ist diese doch recht klein geworden. Institutionen wie die GEMA behaupten immer wieder, dass das Urheberrecht die Quelle von Innovation sei, denn nur so bestehe für Künstler ein Anreiz, Musik zu schaffen. Anhand diverser Beispiele lässt sich jedoch sehen, dass das Gegenteil der Fall ist. Im folgenden Video wird dargestellt, wie eine ganze Musikrichtung entstanden ist, weil ein Künstler darauf verzichtet hat, andere Künstler, die sein Werk genutzt haben, juristisch zu verfolgen.

Der folgende Artikel gibt noch mehr Aufschluss über das Problem GEMA, die ungerechten Verteilungsmethoden und einen Ausblick auf das Aussterben kleiner Clubkonzerte:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30586/1.html

Außerdem ein sehr interessanter Artikel zur aktuellen Auseinandersetzung zum Thema Urheberrecht:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/Urheberrecht;art772,2835794,7-pg2

9 Gedanken zu “Die GEMA

  1. Die Gema ist im deutschsprachigen Raum die einzige Verwertungsgesellschaft, die erwartet, dass Künstler auch für ihre eigene Musik zahlen. Bei Suiza (CH) und AKM (A) gibt es sogenannte Null-Rechnungen, was auch richtig ist. Die Gema hat ein überaus kompliziertes und für alle Beteiligten (!!) undurchschaubares Punktesystem, das im Endeffekt dafür sorgt, dass die Grossen Player in der Musikszene an den Kleinen mitverdienen – aber nicht umgekehrt. Die Gema möchte jetzt auch am Musikfernen Merch mitverdienen, also an T-shirts zB – was schlicht unbillig ist. Und woher die Rechnung kommt, dass man pro verkaufter CD 60c bis 1 € von der Gema zurückbekommt, ist mir schlicht schleierhaft.
    Ich kann Musikern/Komponisten nur empfehlen, die Gema ausschliesslich für Deutschland zu beschäftigen, und für die restliche Welt andere Gesellschaften. Ist zwar mehr Büroaufwand, lohnt sich aber letztlich. Wir, als deutschsprachige Musiker mit deutschen Texten haben die Gema für D, die Suiza für CH und die AKM für Ö – und es spricht für sich, dass wir zwar in Deutschland am meisten von diesen Ländern gespielt werden, hier auch am häufigsten auftreten und das Land viel grösser ist – dass wir aber von AKM und Suiza mehr Tantiemen bekommen – nicht nur rechnerisch, sondern absolut.

    • Bei mir hatte es mit 1€/CD für die mechanischen Lizenzen etwa gestimmt und wurde mir von verschiedenen Verlagsmitarbeitern bestätigt. Möglicherweise liegt da jedoch ein Missverständnis vor. Bin für jegliche Quellenhinweise dankbar und werde das dann korrigieren.

  2. Die Situation ist schon pervers. Wir bekommen von Labels/ Promofirmen Mp3s angeboten um diese über unseren Blog kostenlos anzubieten- können diese aber nicht selber hosten, da wir sonst laut GEMA 25 Cent pro getätigtem Download zahlen müssten. Da fluchen alle, hier werden Werbemaßnahmen verhindert. So müssen wir als deutscher Blog immer warten, ob nicht doch ein internationale Blog die Mp3 hochlädt und dann darauf verlinken.

    Wobei es für Künstler-eigene Homepages soweit ich weiss inzwischen eine Ausnahmeregelung gibt. Sprich die Künstler/Labels müssen die Stücke, die sie dort als Hörproben anbieten, speziell anmelden und können sich von den Abgaben freistellen lassen.

  3. Also zieht auch hier der Verlag letztlich wieder Geld ein. Was genau bringt der Verlag denn dann dem Künstler? Ich hoffe, darüber klärst du uns demnächst mal auf. Musikverlage waren für mich immer schon ein Rätsel. Nach dem klassischen Buchverlag-Schema können die ja schließlich nicht funktionieren, da weder Veröffentlichung noch Promo von ihnen gemacht werden, sondern von der Plattenfirma.

    Toller Blog übrigens. Die Musikindustrie war mir immer schon ein riesiges Rätsel und auch wenn ich mich mit dem Gedanken trage später mal in ihr zu arbeiten – so richtig kapiert habe ich sie nie😉

    • das ist eine gute frage. ernsthaft. es wird auf jeden fall noch um verlage gehen.

  4. Ich finde es immer toll, wenn neue Mixe oder Remixe von Titeln entstehen. Wie sieht es eigentlich mit den Urheberrechten der Künstler aus, wenn Dj’s/ Radiomoderatoren selbst produzierte Versionen von Titeln in Ihren Radiosendungen veröffentlichen?

    Gruß Ingo

  5. […] Ein unbefangener und doch einsichtiger Artikel: Die GEMA Der Wahrheit in die Musikbusiness Der Urheber zahlt schon lange die eigenen Konzerte mit. Die das nicht wissen kennen die Musikszene […]

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