Promoter

Werden Deals an der Theke gemacht?Ein unbekannter Künstler wird ohne Promotion kaum einen nennenswerten Bekanntheitsgrad erreichen. Mit den traditionellen Medien Radio, TV, Presse erreicht man in Deutschland immer noch die meisten Menschen. Ein Auftritt bei „Wetten dass…?“ garantiert bereits über 10 Millionen Zuschauer. Das ist ein Achtel der deutschen Bevölkerung! Läuft ein Song auf einem Radiosender, hören ihn zig Tausend Leute (viele zwar nur nebenher, aber dennoch). Die Aufgabe des Promoters ist es, dafür zu sorgen, dass die Musik des Künstlers in diesen Medien läuft.

Beim Eintrag über Plattenfirmen haben wir schon festgestellt, dass der Promoter die Musik nicht unbedingt gut finden muss (obwohl es sicherlich hilft). Also wird er seine persönlichen Kontakte spielen lassen. „It’s a people’s business.“ Der Radiopromoter hält Kontakt zu all den Musikredakteuren bei den Radiosendern. Der TV-Promoter zu den Sendern. Der Pressepromoter zu den Journalisten. Diese werden dann regelmäßig über neue Acts informiert. Es werden große Mailings gemacht, bei denen alle Radiostationen mit CDs bemustert werden. Dann muss der Radiopromoter hinterhertelefonieren, etwa so: „Hallo Karl-Heinz, wie geht’s? Na? Hast Du schon mal in die CD von Band XYZ reingehört?“ „Du, sorry, nein. Ich habe so viel zu tun und so viele CDs auf dem Tisch. Bin noch nicht dazu gekommen.“ „Ich sag Dir, die Band ist gut! Die werden richtig groß! Hans-Joachim von Radio ABC findet die auch toll. Versprichst Du mir, dass Du reinhörst?“ „Wenn ich Zeit habe ja.“ „Nimmst Du die CD am Wochenende mit nach Hause? Bitte, bitte!“ „Na gut.“ Und so geht das im Gespräch mit diesem Redakteur alle zwei Wochen. Jedes Mal für eine andere Band. Ob der Promoter die mag oder nicht. Mit Glück landet die CD in der „Abhöre“, d.h. man hört sich die CD offiziell an, um zu entscheiden, was damit passiert. Finden der Redakteur und seine Kollegen die Musik gut, wird über Rotationen verhandelt. Eine Rotation bestimmt, wie häufig das Lied gespielt wird. Das Geschick des Radiopromoters spielt eine Rolle sowie seine ehrliche Begeisterung für den Künstler. Ist der Redakteur jedoch nicht interessiert, gibt es auch andere Mittel: Radiosender veranstalten häufig Festivals, auf denen bekannte Bands spielen. Jetzt kann der Promoter einen Deal anbieten. Die Plattenfirma sorgt dafür, dass Shakira auf dem Festival von Radio XY spielt. Dafür nimmt Radio XY die Single der Newcomerband in Rotation. Als vor ein paar Jahren in der Presse stand, dass Universal Radiosender um Airplay besticht, hat das in der Branche keinen gewundert. Universal waren sehr wahrscheinlich nicht die einzigen.

Die TV-Promoter haben es heutzutage schwerer. Es gibt kaum noch Musik im Fernsehen. Die Musiksender spielen kaum noch Musikvideos. Und auch die anderen Sender verzichten auf Musik im Programm, weil man festgestellt hat, dass die Einschaltquote sinkt, wenn Musik läuft. Tatsächlich. Wenn bei „Wetten dass…?“ eine Band auftritt, schalten drei Millionen Zuschauer um. Man macht das nur noch, um ein junges Image beizubehalten. TV-Promoter versuchen also eine Band in den Bundesvision Song Contest zu bringen oder zum Beispiel einen Werbeclip zu schalten. „Das neue Album von XY, jetzt im Laden!“ Das kann mehrere zehn Tausend Euro kosten! Ich kenne sogar Fälle, bei denen man sich in Musiksender eingekauft hat. Für 20.000 Euro spielt auch Viva das Video einmal am Tag. Ob das was bringt, ist fraglich. (Die Bands, von denen ich das weiß, kennt heute keiner.)

Pressepromoter möchten, dass über die neue Band geschrieben wird. Viele informieren sich über neue Bands immer noch über Musikmagazine. Wenn man sich die aber mal genauer ansieht, wird man sehen, dass großteils über zwei Arten von Bands geschrieben wird: die momentan bereits angesagten Bands und die Newcomer-Bands, deren Plattenfirma im selben Magazin eine Anzeige geschaltet hat. Also auch hier fließt Geld. Ich persönlich trauen diesen Musikmagazinen nicht. Sie spiegeln letztendlich auch nur die Interessen der Major Labels wider. (Außerdem haben die meisten Musikredakteure nicht meinen Geschmack, aber das ist ein anderes Problem…)

Und ja, das alles bezahlt die Plattenfirma. Unter anderem ein Grund, warum CDs so teuer sind. Und weil kaum noch CDs gekauft werden, wird hier gespart. Die traditionelle Promotion wie hier beschrieben wird wohl in Zukunft nur auf einem sehr kleinen Level stattfinden. Künstler werden alternative Methoden suchen müssen, sich zu promoten (z.B. Marketing-Kooperationen mit Unternehmen aus anderen Industrien, Platzierungen in Werbeclips usw.).

All diese Rollen gibt es auch von Freiberuflern, also unabhängige Promoter, die man buchen kann. Dies ist den fest angestellten Promotern der Major Labels immer vorzuziehen. Warum? Weil es in ihrer Bezahlung meistens noch erfolgabhängige Anteile gibt (Radiopromoter z.B. nach Airplay-Charts) und die guten unter ihnen dadurch auch oft nur Künstler annehmen, hinter deren Musik sie auch persönlich stehen. Die großen Newcomer-Erfolge der letzten Jahre wurden großteils durch unabhängige Promoter erzielt. Die Manager der Künstler mussten dafür allerdings hart kämpfen, denn die Plattenfirma bezahlt dann doppelt: den freien Promoter und den fest angestellten Haus-Promoter, der dann nichts zu tun hat und trotzdem ein Gehalt bezieht. Wenn man diese Freiberufler auch direkt verpflichten kann, fragt sich allerdings, wofür man eine Plattenfirma noch braucht. Wer das Geld hat, sollte lieber selbst einen unabhängigen Promoter losschicken. Nehmen die Medien die Musik an, ist man schnell in einer deutlich besseren Verhandlungsposition. Vertriebs-Deals usw. lassen sich dann schnell machen.

(Freie Promoter sind aber auch nicht die Silberkugel. Der Festbetrag, den er pro Künstler verlangt, beträgt oftmals auch schon um die 2.000 EUR. Dieser Betrag ist auch verdient, wenn er erfolglos ist. Daher gibt es genügend Promotion-Firmen, die einfach alles annehmen. Auch die Bands, auf die sie überhaupt nicht stehen. Ausreden für hinterher gibt es viele. Das ist also nicht immer zu empfehlen.)

7 Gedanken zu “Promoter

  1. Du hast die Online-Promoter vergessen…. die sind für uns zuständig😉

    Gerade Musikblogger sind für Nachwuchsbands eine große Chance, hier entscheidet eben nicht das Geld, sondern der Geschmack.

    Das Problem ist, dass die meisten Indie-Bands nicht in der Lage sind, ihre Infos/Pressefotos so zusammen zustellen, dass man schnell über sie schreiben kann.

    Geht mir immer wieder so, da brauch ich dann erstmal Stunden um zu recherchieren… während bei ich bei den Bands, die über Promofirmen kommen, alles Notwendige serviert bekommen.

    Hinzu kommt, dass wir nicht alle CDs kaufen können, über die wir schreiben und inzwischen auch fast alles was wir wollen, von den Labels oder Promofirmen bekommen.(Bemustert werden).

    An Tagen, an denen wir nicht viel Zeit haben, entscheidet oft die Qualität des vorliegenden Infomaterials ob wir über eine Band schreiben oder nicht.

    Was brauche ich um über eine Band schreiben zu können?:

    1. Pressefotos, die zur Veröffentlichung freigegeben sind. Daher sollte jede Band auf ihrer Homepage/ Myspace einen Ordner anlegen mit klarem Hinweis, dass die Fotos verwendet werden dürfen + Namen des Fotografen (auch diese verdienen ihren Credet)

    2. Bandbio. Bitte keine Abenteuergeschichten (Künstler xy hat früher als Totengräber gejobbt… Leute, gähn, schon 1000 Mal gelesen). Klare Fakten bitte. Wer spielt welches Instrument, wer textet/komponiert, wo und wann gegründet, wo leben die Mitglieder jetzt, wichtige Ereignisse (Wettbewerb gewonnen/ großes Festival gespielt), Einflüsse (echt die Beatles… das ist ja ganz innovativ). Welchen Unsinn, wer im betrunkenen Zustand schon gemacht hat, möchte ich auch nicht nochmal lesen müssen.

    3. Links zu Videos/Youtube, Vimeo etc …(es gibt Bands, die haben so unglückliche Namen, die findet man schwer)

    4. Lyrics. Ihr habt ne Aussage… ihr wollt, dass ich die verstehe und über eure Inhalte schreibe? Wenns kein CD-Booklet gibt…dann schickt doch ein PDF…. oder ladet die Lyrics auf eine der spezifischen Seiten im Net hoch und sendet den Link…bzw verlinkt von eurer Homepage/Myspace darauf.

    5. Links zu Free Downloads

    6. Wenn ihr Free Downloads anbietet, dann beschriftet bitte eure Mp3s richtig. ID3-Tag heißt das Zauberwort… machen 70% aller Musiker/Labels/Promofirmen falsch… ist fatal. Einfach mal auf Wikipedia vorbei schauen… danach bitte, bitte richtig machen.

    7. Links zu allen relevanten Seiten: Myspace, Last.Fm, Youtube (Vimeo, Dailymotion), Flickr, Facebook, Twitter….

    8. Klassische Emailadresse für Kontaktaufnahme. Klar kennzeichnen, als Pressekontakt. Manche Blogger/Journalisten verweigern die Kontaktaufnahme via Myspace/Facebook. Diese Emailadresse auf allen Profilen angeben.

    Alle diese Informationen sollten immer und zu jeder Zeit gebündelt, klar ersichtlich für jeden, der über euch schreiben möchte, vorliegen.

    Ach ja… falls uns jemand anschreiben möchte: Unser Impressum bietet die Kontaktadresse + unsere Namen. Es ist immer wieder erstaunlich, dass viele Bands/schlechte Promoter dort die Emailadresse finden, aber unsere Namen übersehen. Ich hasse es, bei der ersten Kontaktaufnahme nur Hallo genannt zu werden… oder noch schlimmer: Liebe Freunde und Fans…heute schicke ich euch unser neues mega geiles Video und in zwei Wochen habt ihr das Glück unsere noch nie dagewesene mega monster geile Scheiße kaufen zu dürfen… (das war jetzt nicht übertrieben und kein Scherz!).

    Brigitte

    • Hallo Brigitte,😉

      vielen Dank für die hilfreichen Infomationen. Zu meinen Major Label Zeiten (vor etwa drei Jahren) waren die Labels hier noch erstaunlich schlecht aufgestellt. Online-Promotion hieß da maximal iTunes bemustern.

      Ist aber schon mal ein gutes Zeichen, dass man mittlerweile auch auf Blogger zugeht.

    • Hallo liebe Brigitte,

      herzlichen Dank für diese Informationen, sie sind äußerst hilfreich🙂 ist zwar laut Datum schon etwas lange her, doch ich bin sehr froh, das hier gefunden zu haben….Liebe Grüße, Kerstin

  2. Die meisten haben begriffen, dass wir auch wichtig sind… Kleinvieh macht eben auch Mist. Hinzu kommt, dass die Haltung der meisten Musikblogger eine andere ist, als die der „seriösen Musikkritiker“.

    Uns geht’s nicht darum, unsere Ego zu pimpen, in dem wir fachmännisch und eloquent Platten verreißen, wir schreiben über Musik, die wir mögen bis lieben und wollen eben gerade unbekannten Bands auch ne Stimme geben. Dies ist bei vielen Musikbloggern genauso.

    Die Qualität der Online-Promoter differiert jedoch enorm und leider entscheidet sich so halt auch so manches Musikerschicksal.

    Hier mal ein paar Rants von mir:

    http://www.lieinthesound.de/2009/06/die-6-phasen-zum-online-marketing-misserfolg/

    Leider glauben Viele, dass sie ihre „Wichtigkeit“ beweisen können, in dem sie andere für dumm verkaufen. Auf Augenhöhe zu kommunizieren fällt vielen schwer. Es gibt eine handvoll Promoter mit denen es echt Spass macht und ein knappes Duzend Kontakte, die gut laufen. Bei so manchen Mails, die ich bekomme, bin ich jedoch immer nahe am Schreikrampf.

    Dass der Online-Bereich immer wichtiger wird, hat sich jedoch zum Glück rumgesprochen, dass Blogger nicht nur willige Abladeflächen für gratis Werbung sind, leider (noch) nicht bei allen😦

  3. Vielen Dank für den Beitrag und die Liste von Brigitte. Genau das erwarte ich von Künstlern bzw. Promotionagenturen. Leider muss man sich häufig die Angaben zurecht suchen. Das wird auf Dauer wirklich nervig. Bei mir geht viel über Social Media. Wenn unsere Redaktion einen Künstler findet, der gefällt, schreiben wir den Künstler selbst an und bitten um Infos.

    • Ich habe selbst nie als Radiopromoter gearbeitet, aber von dem, was ich beobachtet habe, würde ich sagen: viel telefonieren (Redakteure anrufen, nachhaken, Deals aushandeln), durch Deutschland reisen (Kontakte pflegen, die Künstler bei Interviews begleiten) und Büroarbeit (Songs hochladen, Emails, Airplay-Charts checken, Kontaktlisten pflegen, allgemeiner Bürokratiekram). Wahrscheinlich gibt’s da noch einiges, was man als Künstler nicht so zu sehen bekommt.

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