Anwälte

JuraAnwälte sind die Pitbulls der Musikbranche. Manager, Produzenten und andere drohen gerne Mal mit Namen („Vorsicht! Unser Anwalt heißt ‚Sasse‘!“). Leider fließt oft auch Blut, wenn die Pitbulls aufeinander losgelassen werden. Oft genug scheitern Vertragsverhandlungen an der Profilierungssucht der Anwälte. Schön wäre es, wenn die Mandanten alle Punkte direkt verhandeln würden und der Anwalt das Ganze in Schriftform gießt. Ein Anwalt sieht sich aber nicht nur als Protokollführer. Anwälte wollen selbst verhandeln und das Argument hierfür lautet „Erfahrung“. Zu oft werden die eigentlichen Interessen ihrer Mandanten vergessen oder schlichtweg nicht berücksichtigt (oder sie sind einfach nicht bekannt). Man verhakt sich in Details. Man spielt all die billigen Verhandlungstricks wie „der Gute/der Böse“, auf-stur-stellen oder: „Wir verlangen erst einmal drei Millionen, damit wir später auch sicher unsere zwei Tausend bekommen, die wir eigentlich wollen.“ Gesittete Verhandlungen, bei denen die Interessen aller Parteien auf dem Tisch liegen und man sich konstruktiv einigt, sind selten. Die Verhandlung eines Major-Label-Deals kann mitunter mehrere Monate dauern.

Dennoch gilt für alle Künstler: Nie einen Vertrag ohne Anwalt abschließen! Niemals! Auch kein „Head of Agreement“. Der Anwalt sollte sich im Musikgeschäft gut auskennen. Ein falscher Anwalt wird nur Schaden anrichten, weil er überhaupt nicht weiß, auf was es ankommt, was üblich ist und was nicht. Auch wenn der Anwalt am Ende 3.000 Euro kostet, zahlt es sich auf lange Sicht aus. Man verliert weitaus mehr Geld, wenn man einfach etwas unterschreibt.

Anwälte selbst haben es irgendwie gut. Läuft es gut, werden überall Verträge abgeschlossen. Läuft es schlecht, wird geklagt. Arbeit gibt es für den Anwalt immer. Darüber hinaus ist die Bezahlung des Anwalts unabhängig vom Erfolg des Künstlers. Wenn der Künstler am Ende nichts verkauft, hat er selbst verloren, das Label, das Management und alle drumherum. Der Anwalt hat trotzdem sein Honorar bekommen.

Auf der anderen Seite gibt es sicherlich Industrien, in denen besser für Rechtsberatung gezahlt wird als in der Musikbranche. Oftmals muss ein Anwalt einem Künstler einen guten Preis machen und dennoch viel arbeiten. Manche treiben diesen Aufwand nicht und akzeptieren schnell den Vorschlag der Gegenseite. Manch andere fühlen sich berufen und verhandeln, was das Zeug hält. Wichtig ist auch, dass der Anwalt die involvierte Politik versteht. Oft verhandelt ein Manager einen Vertrag schon mal voraus, bevor der Anwalt eingeschaltet wird. Nicht selten wurde dann nur auf das Geld Wert gelegt, da der Manager ja einen möglichst hohen Anteil bekommen will. Wenn jetzt der Anwalt sieht, dass wichtige andere Punkte (z.B. die Rechte des Künstlers oder die Lauzeit des Vertrags) schlecht verhandelt wurden, entsteht sofort ein Konflikt mit mehreren Parteien (Künstler, Manager, Anwalt, Vertragspartner). Nicht jeder Anwalt kann sich hier gut durchmanövrieren.

Am besten holt man sich von einer vertrauten Person aus dem Business eine Empfehlung für einen Anwalt. Und meiner Erfahrung nach sollte man sich nie ganz aus der Verhandlung ausklinken. Man sollte alle Vertragsentwürfe lesen und verstehen, Fragen stellen und klar seine Wünsche äußern. Wissen, wo die eigenen Schmerzgrenzen liegen. Und die Verhandlungen abbrechen, wenn sie überschritten werden.

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