DSDS und die Musik der Superstars

MikrofonDie Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ nehmen in der Regel ein Album auf, das dann mit ziemlicher Sicherheit prompt auf Platz eins der Charts landet. Man stellt sich vor, dass der neu gekürte Superstar sich nach seinem Gewinn hinsetzt und die Songs für sein Album schreibt, dann ins Studio geht und es aufnimmt. Wenn das allerdings so wäre, würde das Album womöglich ein halbes Jahr später rauskommen und man würde sich gar nicht mehr erinnern, wer das denn war.

Es muss schnell gehen, und deshalb funktioniert das so: Schon vor Ende der Staffel, wenn noch ca. drei bis vier Kandidaten übrig sind, bestellt die Plattenfirma bei den Verlagen die Songs für diese Kandidaten. Die Verlage haben ein riesiges Archiv an unveröffentlichten Stücken in ihren Schubladen, die dann herausgeholt werden. Für DSDS sind das meistens Kompositionen aus Schweden, der Großteil Balladen, denn Deutschland liebt Balladen. Für einen Kandidaten liegen dann also z.B. 2.000 Stücke auf dem Tisch und Plattenfirma, Produzenten und manchmal auch das Management (die Firma „19 Entertertainment“) hören sich die alle an und suchen ihre Favoriten aus. Dann wird bereits damit begonnen, die Instrumentalversionen der ausgewählten Songs zu produzieren. Steht der Gewinner endgültig fest, ist für ihn die Hölle los. Interviews ohne Ende, RTL folgt ihm auf Schritt und Tritt. Da bleibt sicherlich keine Zeit Songs zu schreiben (selbst wenn der das könnte). Irgendwo in seinem vollen Zeitplan muss er dann ins Studio, um die Gesangsspuren für sein Album aufzunehmen. Oftmals ist das der erste Zeitpunkt, an dem er die Stücke hört. Ich habe schon Momente erlebt, in denen der Sänger plötzlich ganz schön enttäuscht war, weil die Auswahl nicht das war, was er sich vorgestellt hat. Zeit für Änderungen gibt es aber nicht mehr.

Manchmal wie z.B. im Fall von Mark Medlock schreibt und produziert Dieter Bohlen die Musik. Ganz so ist das aber auch nicht. Dieter Bohlen hat eine ganze Reihe von Demos in seinen Schubladen, die verdächtig nach Modern Talking klingen. Die holt er dann raus und gibt sie anderen Songwritern, um sie aufzumotzen (z.B. einen neuen Text schreiben). Das Album nimmt dann sein Produzent auf. Ich weiß auch gar nicht, ob Dieter Bohlen wirklich noch produzieren kann und wann das letzte Mal war, dass er selbst produziert hat. Aber die Qualität seiner Alben stammt jedenfalls nicht von ihm. Auch wenn er viele dieser Dinge nicht komplett selbst macht, ist trotzdem klar, dass Geschäftsmann Bohlen sich den Großteil der Rechte an seinen Songs sichert. Er muss ja schließlich seine Vorschüsse in Millionenhöhe irgendwann wieder einnehmen.

8 Gedanken zu “DSDS und die Musik der Superstars

  1. Dieter ist ein Geschäftsmann,wie du schon hier erwähnt hast ein Musiker muß ein guter Geschäftsmann sein.

  2. Das ist so ziemlich die größt möglichste seelenlose Art der Musikmache – leider funktioniert es aber. Wie genau das ablief wusste ich auch nicht. Also hat hier der Künstler vielleicht 1 % mit der Musik zu tun – weil er singt. Und ich geb 9 % dazu weil er aussieht und seine Art und weil er gewonnen hat. Armselig. Marionette. So lange bis ihn niemand mehr will (1 Jahr oder so), dann werden die Fäden abgeschnitten und Absturz. Wow, und warum genau will jeder Superstar werden? Weil einfach niemand weiß wie es abläuft! Vor allem kommt ja noch dazu, dass bei DSDS gefakt wird, die Songauswahl bzw. Outfits werden aufgedrängt und es wird schon von Anfang bei den ersten Calls so geschoben, dass letztendlich egal ist wer gewinnt, es immer der Richtige ist – und gewisse Freaks sind auch nur dabei damit es spannend bleibt. Einfaches Konzept und es läuft schon seit 10 Jahren oder so. Dieter kann man fast gratulieren, er nutzt die Blödheit der Menschen gnadenlos aus.

  3. Meiner Meinung nach hat DSDS rein gar nichts mit Musik zu tun! Es ist wie mein Vorredner schon gesagt hat seelenlos. Klar gibt es ein zwei Gestalten in der DSDS-Welt, die ihre eigene Interpretationen in die Songs stecken, doch die werden dann meist ja auch schnell wieder ausgemerzt und aussortiert! Das Business liegt dabei ganz klar auf Seiten des Fernsehsenders, der durch 1000te von Zuschauern das Publikum mit Werbung berührt und nicht mit der Musik! Das hat mit Musik nichts mehr zu tun!

    • Danke für die Referenz zu meinem Kommentar. Bin ganz deiner Meinung. Eigentlich kann man es kurz und knapp so zusammenfassen: Die Mainstreammusikindustrie will keine Künstler haben, die etwas sagen/machen was gegen die klaren Vorgaben der Plattenfirma, der Geldgeber, geht. Sondern nur Jasager, Mitmacher, Playbacksänger und Blödgrinser. Eigentlich kann ich mittlerweile auf den Mainstream bezogen kaum noch glauben, dass die Künstler, Bands, Sänger wirklich was zu melden haben. Denn so hart umkämpft wie der Markt ist, wo nur wenige rocken und die meisten floppen, da kann es keinen Mut für Experimente noch Risiken geben. Stricly Business, so wie man ein Produkt durchplant und dann gezielt vermarktet, so werden das mMn nach auch die Musiker.

      Kürzlich wurde in der jetzt letzte Woche oder so abgesetzten RTL Casting Show „Rising Star“ im Fernsehen in der Sendung von Kandidaten mehrfach behauptet (gab solche Videos auch schon früher), dass ihnen die Songs aufgezwungen wurden. Also sie nicht das singen konnten was zu ihnen passt bzw. was sie singen wollen. Damit kann man natürlich wunderbar steuern und Kandidaten schnell loswerden. Gibt dazu einen Beitrag in der Fernsehkritik TV Folge 141 (unter Massengeschmack.tv zu sehen, müsste mittlerweile auch frei verfügbar sein), Gastjurorin Anastacia wusste gar nicht wie ihr geschah. Beweist nur wieder einmal, wie schäbig die Sender und die Hintermänner arbeiten, sie tun alles für den Erfolg. Dazu kommen diese ekelhaften traurige Schicksalsschläge Einspieler, warum soll es für den Zuseher eine Rolle spielen ob jemand der gut singen soll etwas Tragisches erlebt hat oder nicht?

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