Musikalische Inflation – Ein paar Fragen

Könnte nicht das, was wir in diesen Zeiten durchmachen, als „musikalische Inflation“ bezeichnen? Nicht nur haben mehr Musiker die Möglichkeit, mit günstigen Mitteln professionelle Aufnahmen herzustellen. (Was ja etwas Gutes ist.) Mit dem Internet gibt es nun auch noch die Möglichkeit für jeden Musiker, potentiell die gesamte (Online-)Welt mit seiner Welt zu erreichen. Auf der anderen Seite haben die Musikkonsumenten nun Zugriff auf jegliche Musik. Digitale Audioformate wie MP3 erlauben es, zig Tausende Songs auf einem kleinen Gerät jederzeit abrufbar zu speichern.

Wer kauft noch CDs und hört sie tagelang an? Was ist ein einzelner Song noch Wert in der Masse der Musik, die uns heute zur Verfügung steht? Was ist eine einzelne Band noch Wert? Wie können sich Bands aus der Masse hervorheben? Wie viele Songs auf deinem iPod hast du noch nie (vollständig) angehört? Wie leicht ist es heutzutage, neue Musik zu finden, die dir etwas bedeutet?

Es steht nun mehr Musik zur Verfügung. Die Anzahl der Hörer ist gleich geblieben. Es wird auch nicht mehr Geld für Musik ausgegeben. Im Gegenteil. Wie viel bleibt für den einzelnen Künstler übrig? Monetär und emotional? Was geschieht, wenn die alten Stars – die Radioheads und Madonnas – weg sind und keiner nachrückt? Wird es noch Rockstars geben?

Ich habe mir vor kurzem 1 Gigabyte freie Musik von der SXSW in den USA heruntergeladen. Ich hatte nie Zeit sie mir anzuhören.

Andere machen sich hierzu auch Gedanken:

http://www.telegraph.co.uk/culture/culturecritics/neilmccormick/5125923/Is-there-too-much-music.html

6 Gedanken zu “Musikalische Inflation – Ein paar Fragen

  1. Sehr gute Fragen! Ich für mich kann sagen, ich kaufe nach wie vor sehr viele CD’s und höre mir diese auch Stundenlang an, wenn ich nicht selber Musik mache und unterwegs bin. Aber gerade auch unterwegs, nach dem Gig oder vor dem Gig höre ich mir sehr gerne CD’s an. Ich lasse mich so inspirieren.

    Und ich staune nach wie vor, wie viel gute CD’s auf den Markt kommen. Es sind sehr viele. Wenn ich nur schon an all die CD’s denke, welche ich zugesandt bekomme um etwas darüber zu schreiben. Unglaublich gute Musik und nach wie vor erstaunlich wie viel Mühe man in eine CD steckt. Aber da ich aus der Jazz Ecke komme, ist es auch nicht verwunderlich. Da ist auch das Zielpuplikum ganz anders.

    Als das Internet den Durchbruch hatte, lief so einiges schief. Und vieles wurde in der Musikbranche verpennt. Mal schauen, was noch alles auf uns zukommt?!

  2. Viele gute Fragen, auf die es sicher ebensoviele gute Antworten gibt. Ich glaube, niemand weiß im Moment so genau, wohin die Reise geht.
    Dass die großen Labels etwas träge waren, bestreiten sie mittlerweile nicht einmal mehr selbst. Trotzdem geht die Öffnung gegenüber neuen Vertriebswegen und Konzepten immer noch sehr langsam voran, obwohl der Musikmarkt in der Realität schon viel weiter ist.
    Dank der Digitalisierung der Produktion und der Vertriebswege gibt es soviel Musik wie nie, und so manches davon wäre früher wohl aus gutem Grund nicht veröffentlicht worden. Auf der anderen Seite erhalten Künstler eine Chance, ihrer Kreativität unabhängig von der Gnade eines Major-Labels Gehör zu verschaffen. Ich denke nicht, dass Musik völlig in der Beliebigkeit und Austauschbarkeit abtauchen wird. Es wird immer Künstler geben, die ihr Publikum auf besondere Weise berühren, und diese werden auch ein Publikum finden. Myspace-Phänomene müssen keine Eintagsfliegen sein – Lily Allen hat es zum Beispiel vorgemacht.
    Interessant ist auch, wie das Internet dafür sorgt, dass immer mehr Musik aus abgelegenen Ecken der Welt zu uns gelangt, die vorher hier nie wahrgenommen wurde. Die Dominanz der amerikanischen Popkultur ist heute schon einer Vielfalt gewichen, die es ohne das Internet nicht gegeben hätte – und das alles ohne das Zutun der Majors.
    Inwiefern sich das lohnt, bleibt abzuwarten. Nicht ausgeschlossen, dass mit der Ära der Mega-Weltstars, die mit ihrem Publikum altern, auch das Zeitalter der Musik-Multimillionäre ein Ende findet. Aber dass Musik beliebig und irrelevant wird, das glaube ich nicht. Keine andere Kunstform ist so emotional und universell verständlich. Die Menschheit kann und wird darauf nicht verzichten.

  3. Musikalische Inflation vs. Brotlose Kunst.
    Ja, das ist schon traurig für uns macher.
    Fakt ist, dass der Markt übersättigt ist und mann im internet fast alles für umsonst bekommt. Ich glaube dass die Zukunft in folgende richtung geht: Music for free und Geld verdienen on Stage. Doch so wie es aussieht, werden nicht viele Künstler überleben die keine gute show liefern. Die kleinen unter uns, die stillen musiker wie die Trickser am Mixer, Remixer & Frickler, für die wird es nur ein Hobby die ich als Brotlose Kunst bezeichne.
    Fakt ist auch, dass es kaum noch etwas gibt, was es noch nicht gegeben hat und Erfolg hat meist das, was anders ist. Also, seid anders und habt spass an dem wesentlichem und zwar an der liebe zu musik die euch keiner nehmen kann. Freak Out.

  4. Ich kaufe zwar noch hin und da CDs (eher ältere Sachen, aktuelle Musik interessiert mich ziemlich wenig), allerdings läuft dann alles auf dem MP3 Player. Ich hab noch so viel Musik (darunter viele Trance Livesets und Radioshows, da gibt es Tonnen davon) vorliegen die ich noch hören will, dass es mir überhaupt unmöglich geworden ist alles mehrfach anzuhören abseits wenn es auf dem tragbaren Player liegt und im Shuffle drankommt – was bei etwa 800-900 Liedern auch nicht so wahrscheinlich ist. Ich höre eine CD an (allerdings wenn auch in Order digital vom PC), lege sie ins Archiv, nächste Scheibe und so weiter. Da wir heute auf sagen wir 50 Jahre Musik zugreifen können und es täglich mehr wird, hat kaum noch jemand einen Überblick. Wie lange man für nur 1 GB Musik braucht will ich nicht wissen, aber es ist hoffnungslos. Und trotzdem brauch ich als Vielhörer neuen Sound. Wobei neu sich nur auf bisher nicht bekannt bezieht und somit gerne auch ältere Musik beinhaltet. Musik muss einfach sein, das entspannt, gibt gute Stimmung und macht die Leere, die selbst im heimischen Zimmer entstünde, zu nichte. Und sonst stimme ich zu, dass wir Musik viel mehr „hören“ als „zuzuhören“, also wirklich drauf zu achten WAS genau wir da eigentlich hören. Und sich da mal genauer umzusehen was für versteckte Inhalte es gibt ist absolut nicht verkehrt (ich sage nur #Blurred Lines).

    Ich hoffe Radiohead bleiben für immer, die olle Madonna und ihre Popkonsortenkollegen können gerne alle abdanken. Hoffe mein Geschreibsel war in etwa passend zum Thema, bin mir da nicht sicher.

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