„Du zuerst!“

Auch wenn hinterher alle sagen, „Ich habe gleich gewusst, dass die das schaffen“, eine Vorhersage über den Erfolg oder Misserfolg von Künstlern lässt sich nicht treffen. Und so kommt es, dass unter all den Verantwortlichen keiner den ersten Schritt machen will. Fernsehsender wollen den Song erst senden, wenn er im Radio läuft. Radiosender wollen ihn erst senden, wenn andere Radiosender ihn spielen. Das irrsinnigste, was ich bisher von einem Radiosender gehört habe, war: „Wir spielen diesen Künstler erst, wenn er in den Airplay-Charts ist.“ Liebe Radiosender, Ihr macht die Airplay-Charts, indem Ihr seine Songs spielt! Das ist keine Frage der Henne und des Eis.

Folgendes Szenario ergab sich vor kurzem bei einer befreundeten Band, deren Namen ich hier auch nicht nennen werde. Es kam mir nur allzu bekannt vor. Die Band hatte einen Plattenvertrag mit einem kleineren Label (was in dieser Geschichte keinen Unterschied macht) und hatte bereits Teile ihres Albums produziert. Alle waren motiviert und in den Startlöchern. Zur Veröffentlichung des Albums wollte man eine Tour buchen. Der Booker ging also los und klopfte bei seinen befreundeten Veranstaltern per Email an die Tür. Leider war die Reaktion der Veranstalter nur verhalten. Denn das Album war ja noch nicht draußen und man wusste auch nicht, wie es laufen würde und wie viel Presse man bekäme. So musste der Booker nach 2-3 Wochen aufgeben und die Tour wurde vorerst abgesagt. Daraufhin bekam auch die Plattenfirma kalte Füße und die Veröffentlichung des Albums stand plötzlich in den Sternen, obwohl die Tour vorher gar nicht das zentrale Element war. Und weil das Album womöglich nie rauskommen würde, hört der Produzent auch plötzlich auf zu produzieren.

Und so ist das im Musikbusiness: So lange alle begeistert sind – meistens ist das nur zum Zeitpunkt des Signings der Fall – geht alles voran. Hat nun einer der Verantwortlichen Zweifel oder gibt es irgendwo eine Niederlage, legen plötzlich alle die Arbeit nieder. 90% der Newcomer floppen. Und jeder dieser Newcomer hat dann irgendwann von seiner Plattenfirma gesagt bekommen: „Ihr müsst halt mehr live spielen.“ Als ob das daran liegt!

Es gibt nur wenige in dieser Branche, die wirklich Eier haben und für ihre Bands kämpfen. Und die können im Allgemeinen einige Erfolge vorweisen. Den Rest mache ich für die 90% Flop-Quote verantwortlich.

4 Gedanken zu “„Du zuerst!“

  1. Das ist ein bekannter Teufelskreis. Ein Album/ eine Single, die nicht in den Verkaufscharts ist, wird nicht im Radio gespielt, kommt somit nicht in die Airplay-Charts, findet somit nicht genug Hörer/Käufer um in die Verkaufscharts zu kommen.

    Allerdings kann man hier als Künstler mit gut organisiertem Streetteam schon was machen.

    Punkt a): Fast alle Radiosender haben Sendungen, in denen Hörerwünsche geäußert werden können bzw. selbst wenn nicht, Fans motivieren an diverse Sender E-Mails mit der Bitte um das Spielen bestimmte Songs zu senden, zeigt Wirkung.

    Punk b) mit etwas Glück (schon erlebt!) führt dies dazu, dass der Song bei den Neuvorschlägen für Hörercharts landet.

    C) Fans/ Freunde dazu aufrufen, für diesen Song dann abzustimmen. Je nach dem, wie einflussreich der Sender ist, hilfst auch in die Airplay-Charts zu kommen.

    Ich hab ein paar Jahre lang Wayne Jackson in solchen Marketing Dingen beraten. Sein Song Hallelujah ist seit geraumer Zeit in den SWR3-Charts vertreten und genau so hat er auch die Airplay-Charts „geentert“. Als ich anlässlich der Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums „The Long Goodbye“ 2008 ihm diese Vorgehensweise vorschlug, war er noch sehr skeptisch, inzwischen ist es die Kampagne, die am besten für ihn funktioniert. Unsere Weg haben sich aus diversen Gründen getrennt, nur ich kann jedem Künstler/Band nur raten, genau dies auch auszuprobieren, kann ein Mittel sein, um den von dir beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen.

    • Klingt gut. Danke für die Tipps. Zwei Dinge, die Du ja auch anderswo erwähnst:

      (1) Der Song muss radiotauglich sein.

      (2) Der Song muss von einem Label veröffentlicht sein.

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