Wie bekommt man einen Plattenvertrag?

Hin und wieder erreicht mich in der Fanpost eine Frage der folgenden Art: „Ich mache seit ca 5 Jahren Tanzmusik und singe und bin dem Gedanken, mal größer rauszukommen, nicht abgeneigt (welcher Sänger/Sängerin nicht?!). Wie bekommt man als Musiker(in) einen Plattenvertrag?“

Zunächst heißt „Plattenvertrag“ nicht, dass man irgendwann „größer rauskommt“. Es heißt nicht einmal, dass zwangsweise eine Veröffentlichung stattfindet. Es gibt genügend Bands mit Major Label Deal, die nie ein Album herausgebracht haben. Die Frage ist also erst einmal: Brauchst du überhaupt einen Plattenvertrag? Wer hier aufmerksam mitgelesen hat, wird wissen, dass ich insbesondere in heutigen Zeiten einen Plattenvertrag nur unter bestimmten Voraussetzungen empfehlen würde, die in den meisten Fällen nicht gegeben sind. Aber gehen wir im Folgenden mal davon aus, dass ein Plattenvertrag Sinn macht. Wie kommt man als Band oder einzelner Künstler an so einen ran?

Man kann es sich schon denken: Das Verschicken von Demo-CDs wird nur wenig bis gar nichts bringen. Die Plattenfirmen bekommen unglaublich viele Zusendungen und 99% sind absoluter Mist oder passen überhaupt in das Spektrum des zuständigen A&Rs (=Artist and Repertoire, d.h. derjenige, der für das Label die neuen Künstler findet). Die Wahrscheinlichkeit hier positiv hervorzustechen ist sehr gering. Viele A&Rs machen sich daher schon gar nicht mehr die Mühe sich das alles anzuhören.

Die meisten gesignten Künstler, die ich kenne, waren also direkte Empfehlungen von Leuten, die der A&R schon länger kannte oder mit denen er/sie bereits zusammengearbeitet hat. Und von diesen Künstlern hat man ohnehin schon eine Weile gehört. Entweder haben sie bereits viel live gespielt oder sonstwie auf sich aufmerksam gemacht. Keiner von denen hat nur in seinem Wohnzimmer gesessen und vor dem Spiegel gesungen und getanzt.

Ich würde also insbesondere jeder Band sehr stark ans Herz legen, viel live zu spielen. Wenn das beim Publikum ankommt und die Fangemeinschaft rasant wächst, wird früher oder später jemand aus der Musikindustrie darauf aufmerksam. Bands in abgelegeneren Gegenden werden wahrscheinlich dennoch nicht drumherum kommen, Material zu verschicken (und in größeren Städten zu spielen). Dann aber nicht an die Plattenfirmen schicken, sondern z.B. an einen passenden Produzenten. Denn Produzenten interessieren sich tatsächlich in erster Linie für die Musik und erst im zweiten Schritt für die Vermarktung (im Gegensatz zu den Plattenfirmen, wo es genau umgekehrt ist).

Das bedeutet aber auch, dass dann die Musik absolut auf den Punkt sein muss. Es muss dem persönlichen Geschmack des Produzenten entsprechen (eine Techno-CD an einen Rock-Produzenten zu schicken macht keinen Sinn). Es sollte originell sein und möglichst nicht die hundertste Kopie von Juli oder Die Happy. Und die Musiker (insbesondere der Sänger bzw. die Sängerin) sollten alle ihr Instrument bzw. ihre Stimme beherrschen. Bei Interesse wird der Produzent sich die Band sicherlich live ansehen wollen. In Berlin gibt es mittlerweile Veranstaltungen wie Universals Open Mic oder EMIs Playroom, bei denen Bands aus ganz Deutschland eingeladen werden, die man sich auch mal live ansehen möchte. Und dort im Publikum findet man im Allgemeinen einen Großteil der deutschen Musikbranche.

Der Kontakt zur Plattenfirma findet hin und wieder auch über Verlage oder Manager statt. Wie auch immer. Prinzipiell bin ich ein Vertreter des indirekten Kontaktaufnehmens, um eben den Empfehlungseffekt zu haben. Das Vertrauen in den Künstler ist dann meist größer. Ist also ein A&R an einer Band interessiert, ist das ein erster Schritt. Das bedeutet aber kaum, dass man mit einem Plattenvertrag rechnen kann. Der muss das nämlich auch vor einer ganzen Reihe anderer Entscheider vertreten. Insbesondere in heutigen Zeiten, in denen es nicht mehr viel Geld gibt und das Risiko der Investition in einen unbekannten Künstler sehr hoch ist, braucht man unglaublich stark von sich überzeugte Menschen, die es mit Nachdruck zu einem Plattenvertrag zwischen Künstler und Label bringen wollen. Da muss dann alles stimmen. Zumindest in den Augen dieser Leute. Wenn es tatsächlich so ist, wird man als Künstler zumindest für kurze Zeit wie der große Heilsbringer behandelt, der die Branche retten wird. Man sollte sich aber nichts darauf einbilden. Das geht nämlich ganz schnell auch wieder weg.

Stimmt das alles und der Plattenvertrag soll stattfinden, muss er noch verhandelt werden. Und auch da kann noch viel schief gehen. Beziehungen können zerbrechen. Hoffnungen und Erwartungen ebenso. Und der Vertrag findet womöglich gar nicht statt. Aber darüber habe ich ja bereits geschrieben.

10 Gedanken zu “Wie bekommt man einen Plattenvertrag?

  1. Hey, wir sind Sweet Lemon, sind 15 Jahre alt und schreiben eigene Songs.
    Bevor sie diese Mail gleich wieder wegklicken, können
    Sie sich unsere Musik ja ersteinmal anhören:http://www.myownmusic.de/Sweet_Lemon/play/?songid=377754
    (Ich muss dazu sagen, dass das bereits schon eine Hobby-Studio-Aufnahme ist.
    Also von uns ist die Gitarre, das Klavier die beiden Stimmen, und natürlich der Song)
    Wir sind schon auf dem Tollwood Festival in München aufgetreten (Stadt-Land-Rock), auf der „Songwriter’s Night“ in Dillingen, auf dem Uferlos Festival in Freising und auf mehreren kleinem Bühnen standen wir auch schon.
    Wir wissen nur nicht wie wir an einen Plattenvertrag kommen sollen, und deshalb versuch ich es einfach hier und hoffe auf eine Antwort;)

    Mit freundlichen Grüßen

    Lena Haslberger

    • hallo lena, eigentlich habe ich alles dazu in dem artikel schon geschrieben. lies ihn einfach. (schöne musik, übrigens.)

  2. Hallo mein name ist Adrian ich bin 15 jahre alt und rappe seit ich 11 bin ! Ich habe schon mein EP Album aufgenommen nur ich habe kein m.anager oder Plattenvertrag. Ich mache oldschool hip-hop und fange bald mit New school an! Hier die Lieder aus der EP http://www.soundcloud.com/ady-b-rabbit . Ich wollte fragen ob ihr vielleicht wisst wo es HipHop Jams oder Open Mics in München und Umgebung gibt! Ich will unbedingt auftreten und zeigen das ich aufs Stageage passe! Habt ihr eine Ahnung?

  3. Ich widerspreche! Ein Plattenvertrag ist ein Muss für jeden, der weiterkommen will. Er bringt natürlich keinerlei Garantien mit sich, birgt aber greifbare Vorteile:
    – Es gilt das Klischee, dass ein Plattenvertrag bereits den Durchbruch bedeutet; Menschen, auch Betreiber von Locations, in denen Live-Auftritte möglich sind, stehen hierauf.
    – Er hilft beim Bilden von Netzwerken; mit Plattenvertrag ist es viel leichter, nicht nur mit anderen Musikern, sondern mit Verantwortlichen der Musikbranche in Kontakt zu treten.
    – Auch im Musikgeschäft ist eine Entwicklung step-by-step viel wahrscheinlicher als ein Durchbruch von heute auf morgen. Also, erst überhaupt irgendwo unterkommen, sich dann verbessern und dann …

    Zu den Demo-CDs, die gern verschickt werden. Wer in einen weißen Umschlag ein mies verfasstes Schreiben mit CD legt, ist selbst schuld! So sieht eine ordentliche Sendung aus:
    – Immer erst anrufen und zuständigen Ansprechpartner herausfinden, damit die Sendung nicht ins Leere geht
    – Umschlag im Sonderformat, alles ist möglich!
    – Außergewöhnliches Material: metallen, goldprägung, Relief …
    – verpackt z.B. als Geschenk
    – fehlerfreies Anschreiben in der Qualität und Aussagekraft einer Werbeagentur
    – CD in grafisch gestalteter Verpackung
    – CD bedruckt
    – Vernünftige Fotos der Musiker anfertigen lassen und der Sendung beilegen
    – Einschreiben mit Rückschein – so wird jedem Empfänger klar, dass da was Wichtiges im Anmarsch wird
    – Nie nur eine Sendung rausschicken, ab 50, besser ab 100 Sendungsempfängern wird das Ganze interessant.

    Vorher Website, wie grundlegend auch immer, gestalten und Musik online stellen. Bedenkt, dass die Leute vielleicht Geschäftspartnern nen Hinweis geben möchten, da will niemand tagelang warten, bis eine CD weitergeleitet wurde.

    Als Agenturarbeit kostet dieses Spiel ab 1500 Euro aufwärts. Ihr habt das Geld nicht? Fein, dann sollte eure vierköpfige Band vielleicht mal pro Kopf 30 oder 40 Stunden arbeiten, dann sollte das Geld kein Problem mehr sein.

    • Sorry, aber das sind Tipps aus den 90er Jahren (die auch schon damals realitätsfern waren).

  4. Hallo mk,
    ich finde was du schreibst absolut richtig.
    Hab aus eigener Kraft ein Album mit meinen eigenen Songs in den USA recorded und produziert. Selbst über mein eigens Label veröffentlicht und dann in Form von einem interessanten Paket an alle Majors geschickt. Ich habe von fast allen Feedback bekommen. Das war mehr als wertvoll für mich und hat mich enorm weiter gebracht. Ein Song von mir läuft mittlerweile im Radio. Außerdem hat mich die Produktion in den USA auf keinem Fall mehr, eher weniger gekostet. Ich bin der Meinung, dass die Plattenfirmen spüren wollen dass man es 100% ernst meint.

  5. Hallo ich bin Metehan 15 Jahre alt und ich tappe seid ich schon 12 bin. Ich mache solche orientalische Musik auf meinem YouTube channel. Mal erzähle ich was über meine Heimat oder Rappe meistens über die ganzen kriege und über die Flüchtlingsthematik ( im generellen sag ich nur die Wahrheit )

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s