MySpace

Ich habe den folgenden Artikel schon vor längerer Zeit geschrieben. Wahrhscheinlich sind diese Dinge mittlerweile jedem bewusst. Das war damals noch nicht so. Vielleicht müsste man jetzt über Facebook schreiben oder so. Ich habe mich entschlossen, ihn trotzdem zu veröffentlichen.

Wie bei all diesen Artikeln kann der Inhalt nur eine Momentaufnahme sein. Insbesondere bei allen Internet-Themen wird man wahrscheinlich in ein paar Jahren lächelnd zurückschauen. MySpace war bis vor wenigen Jahren noch völlig unbekannt in Deutschland. Mittlerweile scheint jeder Musiker eine MySpace-Seite haben zu müssen. Interessanterweise wanderten in den USA die Mitglieder schon zu dem Zeitpunkt zu Facebook ab, als MySpace gerade erst in Deutschland Fuß fasste. Plötzlich musste jeder auf MySpace sein. Bei den meisten Bands war das die gesamte Marketing-Strategie.

MySpace ist super, um Bands zu finden und schnell mal in ihre Musik reinzuhören. Für Künstler, die keine eigene Website haben, ist es eine gute und schnelle Möglichkeit, eine Webpräsenz zu schaffen. Aber kann man über MySpace bekannt werden?

Viele Bands verbringen viel Zeit damit, Freunde auf MySpace zu sammeln. Die zunehmenden Spam-Schutzmechanismen von MySpace machen diese Arbeit immer aufwändiger. Meistens handelt es sich dann bei den angefragten Benutzern gar nicht um Fans der Band oder der Musikrichtung. Man hat also unter Umständen Tausende von Freunden, die sich nicht für einen interessieren. Nutzt man diese Freunde, um auf ihren Profilen Werbung z.B. für Konzerte zu posten, ist man in einer Situation nicht unähnlich der herkömmlichen Medien: Man haut die Werbung raus, und die meisten Empfänger wird es nicht interessieren. Leider geschieht das nur auf einem sehr kleinen Level. Ein Song, der im Radio gespielt wird, erreicht mitunter zig Tausende Zuhörer auf einmal. Die drei Tausend „Freunde“, die meine Werbung sehen, sind dagegen eher lächerlich. Ich kenne niemanden, der über MySpace berühmt geworden ist. Diejenigen, von denen das behauptet wird, fanden deutlich mehr in den traditionellen Medien statt.

Mein Eindruck in der letzten Zeit ist, dass es schwierig ist, noch einfache Personen auf MySpace zu finden, die sich für eine spezielle Musik interessieren. Man schottet sich verständlicherweise ab gegen Spammer. Und davon gibt es viele. Manch ein Künstler gründet auf MySpace zwanzig Fanclubs, die dann alle dieselben Personen als Freunde werben. Es gibt unzählige Organisationen und Clubs, die etwas von einem wollen. Die beste Zeit von MySpace ist aus meiner Sicht schon lange vorbei.

Hier noch ein paar sehr interessante Artikel zu MySpace:

http://www.tonyamoyal.com/2008/04/01/myspace-band-profile-statistics/ (aus 2008)

http://www.lieinthesound.de/2009/07/mit-karacho-in-die-inkonsequenz-angelika-express/

https://archive.nyu.edu/handle/2451/23783

6 Gedanken zu “MySpace

  1. Ich wage stark zu bezweifeln, dass sich ein Band allein per MySpace berühmt werden kann – auch wenn es sicher ein nützliches Tool sein kann.

    Weiterführende Links zu den Motiven dieser „Täuschung“ findet man u.a. hier:

    http://zerobullshit.de/2009/08/21/die-myspace-luge/

    http://www.basicthinking.de/blog/2006/04/15/die-saga-von-sandi-thom/

    Auch wenn es „unromantisch“ ist: Musik ist auf professionellem Sektor in erster Linie ein Geschäft und hat wenig mit künstlerischer Entfaltung zu tun.

    Marketingstrategien à la NIN sind hervorragend geeignet für bereits bekannte Künstler und können sicherlich auch unbekannteren Künstlern zu einem gewissen Bekanntheitsgrad verhelfen. Sofern man nicht nach Reichtum und der Weltherrschaft strebt kann man auch davon seinen Lebensunterhalt bestreiten. Musik ist und bleibt aber BUSINESS! Beispiele hierfür gibt es genug: das Marketing der Rolling Stones ist bspw in Händen von Mick Jagger! Ergo: Wenn Du von Musik leben willst, musst bzw. müsst Du/Ihr akzeptieren ein kleines Unternehmen zu sein!

  2. Also ich habe damals Myspace zur Promotung meiner normalen Bandseite verwendet, aber heutzutage sehe ich auch kaum Sinn und damit die Notwendigkeit dort groß Zeit zu investieren. Mal schauen wie lange Facebook hier noch Aktuell sein wird?

  3. Wir haben ebenfalls entsprechende Schlußfolgerungen gezogen und eine bestehende Myspace-Seite mit zig-Tausenden „Freunden“ stillgelegt und bauen eine neue für dieselbe Künstlerin auf – hier gibt es nur eine überschaubare Freundezahl, die jedoch genau gefiltert und kategorisiert wird. Damit wird Myspace wieder zum funktionierenden Kommunikationswerkzeug.

  4. Nun sind gut 1,5 Jahre seit Deinem Post vergangen. Und MySpace ist tot. Kann man so sagen. Technisch funktioniert es noch schlechter als je zuvor und innerhalb von wenigen Wochen bei Facebook hat eine meiner Bands schon mehr Menschen erreicht, als über Jahre bei MySpace. Weil bei MySpace keine Menschen sind. MySpace nervt einfach nur. Könnte man bei Facebook ganz einfach seine Musik hochladen, dann wäre dort das letzte Manko behoben.

    Bei Facebook hält man aber auch überwiegend Kontakt zu Leuten, die einen schon mögen. Zu denen, die auf anderen Wegen (Presse, Newsletter) nicht erreichbar sind. Neue Leute für sich zu begeistern, das ist nur möglich, wenn man regelmäßig neues Zeug postet. Videos, Songs, und so weiter. Hat man nichts Neues zu berichten, dann wird es schnell künstlich und langweilig.

    Bei Facebook ist die Überdosis schnell erreicht und bei „Likeschaften“ kann man auch nicht einstellen, welche Infos man haben möchte.

  5. Wie bei vielen anderen Beiträgen triffst du den Nagel auf den Kopf. Man wurde nicht berühmt durch Myspace und man wird nicht berühmt durch Facebook oder oder wird es auch nicht durch dessen Nachfolger werden. Prinzipiell glaube ich auch, dass es ein Fehler ist dem ganz großen Erfolg hinterher zu laufen. Bei entsprechender Qualität sollte sich dieser von alleine einstellen, was nicht heißt, dass man nichts tun muss. Nur etwas bescheiden sollte man sein um die immer wieder kommenden und mitreißenden Hypes gesund zu überstehen. Für mich ist das Ziel die Musik an sich. Einen gewissen Erfolg erlebe ich mit meiner Band, aber der große Erfolg, der unabhängig von anderen Einkünften und Pflichten macht ist unglaublich schwer auf Dauer (!) zu erreichen.
    Im übrigen großes Kompliment an deinen Blog. Macht echt große Freude die Beiträge zu lesen und sehr oft eigene Erlebnisse widergespiegelt zu bekommen. Ich hoffe du machst weiter damit!

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