Talente und Karrieren

Wenn ein Produktmanager einer Plattenfirma einen Marketing-Plan aufstellt, sieht das in etwa so aus:

  • Unsere Radiopromoter bemühen sich um Airplay.
  • Unsere TV-Promoter bemühen sich um TV-Rotationen.
  • Unsere Webdesigner designen eine Website und eine MySpace/Facebook-Seite.
  • Die Booking-Agentur organisiert Konzerte für den Künstler.
  • Profit!

Das kann also jeder. Man muss hierfür nicht talentiert sein oder besonderes Wissen besitzen. Haben viele dieser Leute auch nicht. Auch wenn es mittlerweise diverse Institute gibt, die zu Musikmanagern und Ähnlichem ausbilden, hat das nur wenig Einfluss auf die Chancen, einen Job bei einem Major Label zu landen. Man kommt zu, sagen wir, Universal Music, indem man einen Praktikanten kennt, der da schon arbeitet. Der kann einen empfehlen. Man muss selbst Musik mögen und Kaffee kochen können. Dann arbeitet man sich hoch, indem man in der Kaffeeküche den Kollegen von seinen Neuentdeckungen erzählt und damit beweist, dass man etwas von der Materie versteht. Vergiss das Studium. Es gibt hohe Tiere in der Musikindustrie, die nichts anderes als eine Polizeiausbildung haben.

Muss man irgendwann mal einen Marketing-Plan aufstellen, kann man obige Vorlage nehmen. Läuft es nicht gut, sollte der Künstler einfach mehr live spielen. Aber hat man das seltene Glück und der Künstler, den man betreut, legt eine tolle Karriere hin, beweist das sofort, dass man eine Beförderung verdient hat. Auf diese Art hat es manch Angestellter schon zum CEO geschafft. Vielleicht hat man gemerkt, dass die Fähigkeit, eine große Firma zu leiten, wenig damit zu tun hat, ob derjenige irgendwann einen Künstler entdeckt hat, der sich später als sehr erfolgreich entpuppt hat. Und daher setzen die Eigentümer mittlerweile vermehrt branchenfremde Geschäftsführer ein. Da sitzen nun also oft Leute, die beim Antritt ihres neuen Arbeitsplatzes zum ersten Mal beruflich mit Musik zu tun haben.

Liebe Musiker, wir sind in guten Händen!

3 Gedanken zu “Talente und Karrieren

  1. Vielen Dank für Deine hilfreiche und äusserst wertvolle Beiträge. Es hat mir – und sicherlich auch vielen anderen – die Augen geöffnet.

  2. Es ist die Regel und nicht die Ausnahme, dass in der Führung der Majors nur Buchhalter sitzen. Musikorientierte Scouts oder ähnliches werden nicht einmal als Berater o.ä. benötigt. Die dementsprechenden Strategien (Super-Beispiel: Universal) kann sich jeder ansehen.

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