Die 3 Komponenten des Erfolgs im Musikbusiness

Bisher ging es in diesem Blog verstärkt um die aktuelle Situation aller Beteiligten im erweiterten Major Label Umfeld. Natürlich drängt sich beim Lesen die Frage auf: Wenn ein Major Label Deal so gut wie nie zum Erfolg führen kann, wie kann man es als Musiker dann schaffen? Nach jahrzehntelangen Beobachtungen, vielen Gesprächen mit erfolgreichen und erfolglosen Musikern sowie den Drahtziehern der Branche und natürlich den eigenen Versuchen erfolgreich zu werden bin ich zum folgenden Schluss gekommen: Die drei Eckpunkte des kommerziellen Erfolgs als Musiker sind Musik, Image und Marketing.

  1. Musik: Natürlich muss die Musik stimmen. Und ich behaupte mal, dass das der wichtigste der drei Kriterien zum Erfolg ist. Das mag trivial erscheinen, aber unglaublich viele Bands, die Musik machen, die niemanden interessiert, sind trotzdem fest davon überzeugt, dass sie mit dem richtigen Marketing (d.h. dem Major Label) erfolgreich werden können. Mir fällt nur eine Kategorie von Künstlern ein, in der das zutrifft: die Musiker aus Castingshows. Aber selbst da „stimmt“ die Musik fast immer, so dass ich das auch gleich wieder revidieren muss. Was ist aber die richtige Musik? Darüber gibt es demnächst einen separaten Blogeintrag.
  2. Image: Tokyo Hotel hatten einen weltweiten musikalischen Erfolg, „Durch den Monsun“. Der Rest war ihr Image. Man muss aber auch nicht aussehen wie Tokyo Hotel. Kurt Cobain, Michael Jackson, Madonna, Lady Gaga, Xavier Naidoo – alle hatten bzw. haben ihr eigenes spezielles Image, das wir alle kennen und das sie vom Normalbürger unterscheidet. Wer nicht auffallen will, wird es extrem schwer haben, auch wenn die Musik gut ist. Fans interessieren sich für die Personen hinter der Musik. Sie wollen zu ihrem Star heraufschauen. Ohne ein eigenes Image kommt man maximal in diversen Sparten (etwa elektronische Musik) weiter, und selbst da wird es schwer.
  3. Marketing: Stimmt die Musik und das Image, muss das nicht heißen, dass irgendjemand davon erfährt. Das richtige Marketing stellt sicher, dass das Produkt die Zielgruppe erreicht – würde der BWLer sagen. Die klassischen Hilfsmittel sind: Konzerte, Radio, TV, Internet, Street Promotion. Es mag Fälle geben, in denen die Musik und das Image ausgereicht haben, um eine Lawine auszulösen, auf Neudeutsch ein viraler Effekt. Aber im Allgemeinen steckt viel Arbeit dahinter, einen Künstler zu etablieren, und das bekommen Außenstehende nur selten mit.

Viele Künstler haben einen eigenen Schwerpunkt in diesem Dreieck. Die Band Ok Go konnte mit cleveren YouTube-Videos (Marketing) punkten. Eminems provokativer Auftritt – sein Image – ist ein großer Teil seines Erfolgs. Bei Grönemeyer spielt sicherlich die Musik eine größere Rolle. Aber bei den größten Erfolgen sind alle drei Komponenten zu 120% vorhanden. Fehlt eine, wird es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, bekannt zu werden.

Übrigens beziehen sich die aktuellen Veränderungen in der Musikbranche nur auf den dritten Punkt „Marketing“. Die Hilfsmittel sind nun andere, und es erschließen sich mehr Musikern die Möglichkeiten, die früher nur den Major Labels vorenthalten waren. Aber während sich der Geschmack der Hörer verändert, und das war ja schon immer so, bleiben die Regeln für Musik und Image unverändert. Wer erfolgreich sein will, muss erst einmal hier anfangen.