Wie man bei einem Label (nicht) Musik lizensiert

Delamar hat versucht, für ein YouTube-Video offiziell bei einem Label Musik zu lizensieren:

Mittlerweile haben wir das Angebot von dem Label und von dem Musikverlag bekommen. Wir haben uns dagegen entschieden, da uns 750,- Euro plus GEMA-Gebühren für 15 Sekunden Musik über eine Laufzeit von drei Jahren zu teuer waren.

Die Geschichte ist nicht verwunderlich, wenn man selbst mal mit Major Labels zu tun hatte. Dass es diese Urgesteine überhaupt noch gibt, liegt lediglich daran, dass das Urheber- und Leistungsschutzrecht sie künstlich am Leben hält.

4 Gedanken zu “Wie man bei einem Label (nicht) Musik lizensiert

  1. Wäre es nicht irgendwie erhellend, zu erfahren, wofür genau diese 750,- Euro verlangt werden sollten? Es kommt ja schon auch auf die Nutzung an.
    Ausserdem finde ich, dass es ein bisschen verdächtig nach Youtube-Lobbyarbeit klingt, dann gleich hinerher zu schieben, dass das Urheberrecht irgendwie abgeschafft gehört. Wenn ich in einen Laden gehe und entscheide, dass mir die Nike-Schuhe zu teuer sind, schiebe ich doch auch nicht immer reflexartig den Satz hinterher, dass das Markenrecht und überhaupt das Recht an Eigentum daran Schuld ist, oder?

    • Die gewünschte Nutzungsform wird ziemlich genau in dem verlinkten Artikel beschrieben.

      Nike schafft mit der Herstellung von Schuhen einen Mehrwert. Der Schutz gegen (häufig niederqualitative) Nachahmer durch das Markenrecht sehe ich da gerechtfertigt.

      Im Jahre 2015 ist mir dagegen nicht mehr klar, welchen Mehrwert Major Labels schaffen. In einer Zeit, in der jeder Musiker selbst veröffentlichen kann, beschränkt sich ein Großteil der Major Label Arbeit auf die Verteidigung seines Katalogs. Dem Kunden bringt das wenig. Und den Musikern? Ich bin selbst Teil dieses Katalogs, und wie ich an anderer Stelle hier geschrieben habe, bringt mir das mehr Probleme als Vorteile.

      Und nein, ich arbeite nicht für Google. Ich halte es auch für weit hergeholt zu behaupten, dass Google für eine Abschaffung des Urheberrechts steht. Das ist nur meine persönliche Meinung.

  2. Du schreibst ja allerdings selbst, dass die 750,- nicht für die Urheberrechte gezahlt werden sollen, sondern „plus Gema“. Insofern ist mir auch nicht recht klar, inwiefern die Urheberrechte hier überhaupt eine Rolle spielen, außer dass es wohl en Vogue zu sein scheint, sie für „veraltet“ zu erklären.
    Das Urheberrecht schützt ja nicht die Major Labels, sondern die Künstler, die sehr wohl einen Mehrwert schaffen.
    Es ist im Übrigen auch was die reinen Leistungsschutzrechte angeht ausgeschlossen, dass eine Plattenfirma Geld für die Nutzung eines Songs verlangt, ohne dass der Künstler davon etwas erhält. Die dürfen ja auch nicht das Geld einfach behalten, das sie an Plattenverkäufen verdienen.

    Ich muss also zugeben, dass ich mich etwas unklar ausgedrückt habe:
    Ich habe keinen Einwand dagegen, dass Du die überzogene Preisvorstellung der jeweiligen Plattenfirma in diesem Fall kritisierst. Mir ist aber sauer aufgestoßen, dass das zu einem weiteren Seitenhieb gegen die Urheber gerät, die dafür nichts können und in diesem Fall auch überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben.
    Die Urheberrechte sind ebenso wie Markenrechte in unserer Gesellschaft sinnvoll, weil sie überhaupt erst Urheberschaft ermöglichen. Die Gema vertritt und verteidigt diese Position und wird deswegen von Konzernen angegriffen, die den Künstlern so wenig wie möglich von ihren Einnahmen abgeben wollen.
    Deswegen ist halt so, dass gegen die Gema sein heißt, dass man gegen die Künstler ist und für Google.
    Und diesen Standpunkt halte ich für falsch.

    • „Die Urheberrechte sind […] sinnvoll, weil sie überhaupt erst Urheberschaft ermöglichen.“

      Das ist genau der Punkt, den die GEMA wiederholt von sich gibt, für den ich gerne mal einen Nachweis sehen würde. Ich möchte das ganz stark anzweifeln, dass keine (auch hoch qualitative) Musik geschaffen würde, wenn es das Urheberrecht nicht gäbe. Ganz im Gegenteil: Immer dann, wenn Künstler ihre Arbeit freigegeben haben, sind erstaunlich viele neue Werke auf deren Basis entstanden, oftmals sogar neue Richtungen und ganze Industriezweige (siehe zum Thema Musik z.B. den Film http://ripremix.com/). Die ganze Open Source Bewegung basiert auf diesem Prinzip und es ist kaum fassbar, welchen technologischen Fortschritt uns das in den letzten Jahren gebracht hat. (Wir sind hier z.B. auch auf wordpress.com!)

      „Deswegen ist halt so, dass gegen die Gema sein heißt, dass man gegen die Künstler ist und für Google.“

      Oh je, die alte schwarz-weiß Rhetorik: „If you’re not with us, you’re against us!“ Ich selbst bin Künstler und GEMA-Mitglied. Und weil ich mich gegen das Urheberrecht äußere, bin ich gegen mich selbst? Welchen Sinn macht das?

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